Klimaschutz könnte globale Ernährungssicherheit gefährden

Bewässerung wird oft als Wunderwaffe für die Ernährungssicherheit angesehen, weil man damit auch in Gegenden und Zeiten ohne ausreichend Niederschlag Ertrag produzieren kann. Der Ressourcenaufwand ist aber immens.
Bewässerung wird oft als Wunderwaffe für die Ernährungssicherheit angesehen, weil man damit auch in Gegenden und Zeiten ohne ausreichend Niederschlag Ertrag produzieren kann. Der Ressourcenaufwand ist aber immens.GEPA pictures/ PAMMER Franz

Unvorsichtige Maßnahmen für mehr Klimaschutz führen möglicherweise zu mehr Welthunger, warnen Forscher vom IIASA in Laxenburg.

Unbedachter Klimaschutz könnte 160 Millionen Menschen weltweit Hunger bringen. Das stellte ein Team um Shinichiro Fujimori vom Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien fest. Dies könne der Fall sein, berichten sie im Fachmagazin „Nature“ (13. 5.), wenn man sich ausschließlich um den Klimaschutz kümmert. Also zum Beispiel massiv Biomasse für die Energieherstellung produziert sowie vormals landwirtschaftlich genutzte Flächen aufforstet, aber alles andere außer Acht lässt.

Die Forscher berechneten, dass die Ernährungssicherheit schon durch einen geringen finanziellen Aufwand gewährleistet werden könnte: Dazu müsste man lediglich 0,18 Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts etwa in die Agrarförderung für einkommensschwache Länder stecken und Lebensmittelhilfen für durch Hunger gefährdete Bevölkerungen organisieren.

Landwirtschaft verlagern

In einer weiteren ebenfalls in „Nature" (13. 5.) publizierten Studie des IIASA analysierten Amandine Pastor und Amanda Palazzo, ob man die natürlichen Wasservorkommen weltweit nicht besser schützen könnte, indem man weniger Felder künstlich berieselt. Der Ressourcenaufwand für die Bewässerung in Gegenden und zu Zeiten ohne ausreichenden Niederschlag sei immens: 70 Prozent des weltweit entnommenen Frischwassers werden zur Bewässerung von Getreide und anderen Feldfrüchten genutzt, rund 40 Prozent der Lebensmittel stammen von bewässerten Flächen. Viele natürliche Ökosysteme litten dadurch unter Wassermangel.

Man könnte der Umwelt sehr wohl mehr Wasser lassen, sagen die Forscherinnen. In manchen Gegenden müsste man dafür aber die Landwirtschaft aufgeben oder die Bewässerung ausschließlich dem Regen überlassen. Um die dadurch entstehenden Verluste auszugleichen, sollte man in niederschlagsreichen Regionen die Produktion steigern und den Handel mit den Feldfrüchten verdreifachen, damit sie gut aufgeteilt werden. Außerdem wäre es sinnvoll, wenn man in regenarmen Gebieten keine Sorten mehr anbaut, die viel Wasser benötigen, sondern auf passendere Varietäten umstellt. (APA/cog)

Publikationen: A multi-model assessment of food security implications of climate change mitigation („Nature", 2019) und The global nexus of food–trade–water sustaining environmental flows by 2050 („Nature", 2019)


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