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Salzburg: Vom Gefängnishof zum öffentlichen Raum

Vom Gefängnishof zum öffentlichen Raum: neuer Haupteingang in die . . .
Vom Gefängnishof zum öffentlichen Raum: neuer Haupteingang in die . . .(c) Franz & Sue/Lukas Schaller
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Zeitgleich errichtet mit Otto Wagners Postsparkasse, aber mehr als eine architektonische Epoche hinterher: Das Salzburger Justizzentrum, 2018 von Grund auf erneuert durch das Büro Franz & Sue.

Der Bautyp des Justizpalastes stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Innerhalb weniger Jahrzehnte entstanden damals in ganz Europa Monumentalbauten für den Gerichtsbetrieb, die es mit Adelspalästen aufnehmen konnten und sie oft übertrafen. Beispiele finden sich in Rom und München, Bukarest und Straßburg, Lausanne und Wien. Der Gigant unter ihnen ist der Justizpalast in Brüssel, ein ins Bizarre übersteigerter Tempel der Gerechtigkeit, der ironischerweise aus Einnahmen finanziert wurde, die aus der Ausbeutung des Kongo, eines der größten Verbrechen des Kolonialismus, stammten. Man kann die zahlreichen Justizpaläste dieser Zeit als Beschwörungen interpretieren: Wer der Rechtsprechung einen Palast baut, hofft offenbar, dass dort Weisheit und Wahrheit einziehen werden, um der Gerechtigkeit zum Durchbruch zu verhelfen.

Der stilistisch der Neorenaissance zuzurechnende Entwurf für den Wiener Justizpalast stammt von Alexander Wielemans von Monteforte, der in den 1860er-Jahren mit Otto Wagner an der Akademie der Bildenden Künste bei Sicardsburg und van der Nüll sowie bei Friedrich Schmidt studierte. Wielemans gewann den Wettbewerb für den Wiener Justizpalast 1874 im Alter von 32 Jahren und legte damit den Grundstein zu einer erfolgreichen Karriere als Architekt des Historismus. Zu seinen Werken zählen zahlreiche Kirchen und Kapellen, das Grazer Rathaus und zwei weitere Justizpaläste: in Olmütz und in Salzburg.