Nachhaltigkeit steigt, aber nicht genug

WWF: Verantwortung liegt nicht nur bei Konsumenten.

Viele Alltagsprodukte werden länger genutzt als noch vor vier Jahren, und das Bewusstsein für Nachhaltigkeit bei den österreichischen Konsumenten ist sehr hoch, doch es mangelt oft an nachhaltigen Alternativangeboten. Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt und der Initiative „Mutter Erde“, die 2014 vom ORF und führenden Umwelt- und Naturschutzorganisationen ins Leben gerufen wurde. Die erwartete Nutzungsdauer von Gütern ist demnach bei eher älteren und jüngeren Menschen am höchsten, am schlechtesten schneiden die Jahrgänge zwischen 1970 und 1980 ab. Außerdem sehen die Autoren Unterschiede zwischen Stadt und Land: Menschen in ländlichen Regionen benutzen Produkte eher kürzer als Städter, besonderer Aufholbedarf herrscht in der Steiermark und in Kärnten.

 

Gefühl der Ohnmacht

Gerade Menschen, die sich intensiv mit bewusstem und nachhaltigem Konsum auseinandersetzen, seien aber oft überfordert, so die Studienautorinnen Franziska Weder und Renate Hübner von der Uni Klagenfurt. Soll man lieber die biologisch produzierten Kekse in der Kunststoffverpackung kaufen oder jene mit Palmöl in Papier? Solche Dilemmata können zu einer gefühlten Ohnmacht führen, die der Auseinandersetzung mit dem Thema im Weg steht und Menschen daran hindert, ihr eigenes Verhalten zu ändern.

Man dürfe die Verantwortung für einen nachhaltigen Konsum aber nicht nur auf die Konsumentinnen und Konsumenten abwälzen, betont Andrea Johanides, Geschäftsführerin des WWF. Auch die Produzenten, der Handel und die Politik müssten neue Wege gehen, reine Wegwerfprodukte müssten auf allen Ebenen zurückgedrängt werden. (däu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2019)