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Eishockey: Die unglaubliche Geschichte der St. Louis Blues

Die St. Louis Blues und der Stanley Cup. Nach 52 Jahren wurde daraus doch eine Liebesgeschichte.
Die St. Louis Blues und der Stanley Cup. Nach 52 Jahren wurde daraus doch eine Liebesgeschichte.(c) Reuters

Anfang Jänner noch das schlechteste von 31 NHL-Teams, katapultierten sich die St. Louis Blues zu ihrem ersten Stanley-Cup-Triumph.

St. Louis/Wien. Es ist ein wahres Sportmärchen, dessen letztes Kapitel die Eishockeymannschaft der St. Louis Blues Mittwochabend zu Ende geschrieben hat. Zum ersten Mal seit Gründung der Franchise am 5. Juni 1967 hat das Team aus dem US-Bundesstaat Missouri den Stanley Cup, die wichtigste Trophäe im Vereinseishockey, gewonnen. Die Best-of-seven-Finalserie gegen die Boston Bruins erlebte ein entscheidendes siebentes Spiel, das St. Louis auswärts mit 4:1 für sich entschied.

„Ich weiß nicht, was ich sagen soll. Wo wir herkamen, und wo wir jetzt sind: Es ist unglaublich“, rang Kapitän Alex Pietrangelo nach Worten. Tatsächlich lässt die Erfolgsgeschichte der Blues Beobachter staunend zurück. Am 3. Jänner, als bereits über die Hälfte der Spiele im Grunddurchgang absolviert waren, belegte St. Louis noch den letzten Platz unter 31 Teams in der NHL. Selbst eine Teilnahme an den Play-offs erschien illusorisch, dann aber setzte die Mannschaft von Craig Berube (Spitzname „The Chief“) zu einer famosen Aufholjagd an, gewann 30 der verbliebenen 45 Spiele und rutschte doch noch in die Play-offs der 16 besten Teams.

 

Einmalig in der Geschichte

Die Siege über die Winnipeg Jets (4:2), Dallas Stars (4:3), San Jose Sharks (4:2) und Boston Bruins (4:3) sicherten den Blues nun ihren Eintrag in die Geschichtsbücher. Noch nie zuvor hat ein Vertreter einer der vier großen nordamerikanischen Ligen (NHL, NBA, MLB, NFL) einen Titel geholt, nachdem er nach einem Viertel der Saison oder mehr den letzten Platz belegt hatte. „Nachdem wir unseren Stil gefunden hatten, waren wir nur schwer zu schlagen“, resümierte Coach Berube, der erst im vergangenen November engagiert worden war.

Großen Anteil am Erfolg hatte auch Goalie Jordan Binnington, der am 7. Jänner zu seinem ersten Saisoneinsatz gekommen war und in der Folge groß aufspielte. Binnington, bereits vor acht Jahren von St. Louis gedraftet, gab in der Saison 2015/2016 sein NHL-Debüt (13 Minuten Spielzeit), aber musste drei weitere Jahre auf den nächsten Einsatz warten. Jetzt ist er einer der Helden von St. Louis. „Es war eine unglaubliche Saison, eine unglaubliche Geschichte“, sagte der 25-Jährige, der mit einer Fangquote von 92,7 Prozent glänzte.

Die Blues galten bis zu ihrer nunmehrigen Krönung als ewiger Mitläufer, der zeitweise am Erfolg schnupperte, aber am Ende stets anderen den Vortritt lassen musste. In den ersten drei Jahren (1968, 1968, 1970) schaffte es St. Louis stets ins Stanley-Cup-Finale, kassierte aber jeweils eine 0:4-Niederlage. Die Blues haben auch einen Österreich-Bezug. Von 2001 bis 2006 stand Torhüter Reinhard Divis in Missouri unter Vertrag. Er war der erste Österreicher, der in der NHL auflief (28 Spiele). (cg)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.06.2019)

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