Der unparteiische Buhmann: Die Referees halten einiges aus, doch nun sind wieder Grenzen überschritten worden.
Schiedsrichter

Ohne jede Rückendeckung

Die Stimmung auf den Fußballplätzen wird aggressiver, die Schiedsrichter stehen mehr denn je in der Schusslinie. Geschützt werden sie nicht, mitverantwortlich sind sie trotzdem.

In Japan läuft gerade die Rugby-WM. 30 Männer vom Kaliber Einbauschrank raufen dabei um einen Ball, krachen in Rudeln ineinander, begraben sich unter Menschenhaufen und reißen sich im vollen Tempo gegenseitig zu Boden. Alles erlaubt. Aber wenn der Schiedsrichter einschreitet, ist es mucksmäuschenstill. Beim Rugby ist der Referee unangefochtener Chef auf dem Platz, er wird mit „Sir“ angesprochen, nur die Kapitäne dürfen das Wort an ihn richten. Und gefällt dieser Autoritätsperson nicht, was sie hört, genügt ein strenger Blick und die Sache ist erledigt. Eine Frage der Sportkultur offenbar. Auch Pfeifkonzerte oder Ausschreitungen von Rugbyfans sind unbekannt.

Im Fußball zeigt sich ein anderes Bild. Während Fouls in den europäischen Topligen eigentlich zurückgehen– Trainer setzen kaum noch auf Härte und gegnerische Freistöße bergen viel Torgefahr –, wird die Stimmung, die rund um den Weltsport Nummer eins herrscht, immer aggressiver. Das fängt bei den Eltern neben den Nachwuchsplätzen an und ist längst auch im Umgang mit den Unparteiischen auf Toplevel zu beobachten. Superstar Neymar beschimpft Videoschiedsrichter auf Instagram („Go fuck yourselves“), Rudelbildungen vor den Referees sind auch in der Champions League gang und gäbe, ja selbst Startrainer Pep Guardiola hat sein einstiges Credo, die Schiedsrichterleistung grundsätzlich nicht zu kommentieren, vor langer Zeit aufgegeben.