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„Mir ist nichts gelungen im Leben.“ Heinz im Alter von 14 Jahren.
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Drill, Redeverbote, Übergriffe: eine Kindheit im Erziehungsheim Steyr-Gleink

Eine neue Studie beschäftigt sich mit Gewalt und Missbrauch in oberösterreichischen Caritas-Heimen nach 1945. Geschichte eines Betroffenen.

Am liebsten legt er die 2000-Stück-Puzzles. Ein Wasserfall, eine Katzenfamilie, eine Skyline und schneebedeckte Berge. Wenn Heinz beim Himmel angelangt ist, wird es immer schwierig. „Blau ist blau“, sagt er, und nur mit viel Glück lassen sich die Hunderten Stückchen des Horizonts ineinanderfügen. Irgendwann pinnt er das fertige Bild an die Wand, so muss er den Wohnraum nicht ausmalen. Seitdem die Lunge nicht mehr mitspielt, geht er selten außer Haus. Nun also sitzt er da auf seinem Bett. Und seitdem er in der „Kronen Zeitung“ das Interview mit der Frau Klasnic gelesen hat, muss er viel nachdenken. „Mir geht es überhaupt nicht gut“, sagt Heinz.

1955 geboren, wächst er in einer aus Siebenbürgen stammenden Familie in Graz auf. Die Eltern sprechen damals noch sächsisch miteinander, mit den Kindern wird sonst wenig geredet. Der Vater, ein verwitweter Zimmermann, der bereits in Rumänien eine Familie mit vier Kindern hatte, flüchtet Ende des Krieges nach Österreich. Hier lernt er seine zweite Frau kennen, die ebenso aus Siebenbürgen stammt und als Putzfrau arbeitet. Heinz ist von drei Kindern das Jüngste, der Vater ist bei seiner Geburt bereits 50 Jahre alt, die Mutter fast 40. Die Eltern haben wenig Zeit, sich um die Kinder zu kümmern, beide arbeiten schwer, bringen die Familie kaum durch.