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Mein Montag

Warum wir zu Silvester einen Waldbewohner feiern

Silvester schreibt man übrigens nicht mit y.
Silvester schreibt man übrigens nicht mit y.(c) APA/HELMUT FOHRINGER
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Zum Jahreswechsel denken wir über einen Papst nach – und darüber, was das mit Fiakern zu tun hat.

Natürlich kann man alle Jahre wieder daran erinnern, dass der letzte Tag des Jahres nicht mit y geschrieben wird, sondern mit i. Immerhin ist er nicht nach Sylvester Stallone, Darsteller von Rocky, benannt (und auch nicht von Rocki, liebe Spaßvögel), sondern nach Papst Silvester I., der von 314 bis 335 (natürlich nach Christus, liebe Spaßvögel) Papst war. Doch damit ist man noch nicht am Ende, denn der Name hat ja auch eine Bedeutung. Er leitet sich nämlich vom lateinischen Adjektiv silvestris (von silva, also Wald) ab. Das bedeutet einerseits bewaldet, andererseits aber auch so viel wie im Wald lebend. Der Name Silvester lässt sich also als Waldbewohner deuten (nicht als Hinterwäldler, liebe Spaßvögel). Die Bedeutung des Namens spielt aber ohnehin keine Rolle dabei, dass man ihm den letzten Tag des Jahres widmet. Vielmehr hängt das damit zusammen, dass der 31. Dezember der Todestag des heiligen Silvester war. Und der wurde mit der Gregorianischen Kalenderreform 1582 (benannt nach Papst Gregor XIII. – der Name kommt übrigens vom griechischen gregoreo, „ich wache“ oder „ich bin auf der Hut“, aber das führt jetzt zu weit) als Ende des alten Jahres festgelegt.

Wäre das nicht Silvesters Todestag gewesen, sondern, sagen wir, der des heiligen Fiacrius, würden wir zum Jahreswechsel eben Fiaker feiern. Würde auch nicht schlecht passen, schließlich ist Fiacrius nicht nur Schutzheiliger der Gärtner, sondern auch der Kutscher und Taxifahrer (und er wird auch gegen Hämorrhoidenleiden angerufen, aber das führt jetzt zu weit). Silvester wiederum ist Schutzpatron der Haustiere. Sie wissen schon, das sind die armen Geschöpfe, die zum Feiertag ihres Schutzheiligen wegen der Knallerei draußen ängstlich zusammengekauert im Eck liegen. Die wären dann vermutlich lieber irgendwo einsam im Wald – also Silvester. Wie auch immer, guten Rutsch!

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.12.2019)