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Universität Graz: Vom Lesen auf dem fliegenden Teppich

Radikal bereinigt: die Bibliothek der Grazer Karl-Franzens-Universität mit „fliegendem Teppich“ – den zweigeschoßigen . . .
Radikal bereinigt: die Bibliothek der Grazer Karl-Franzens-Universität mit „fliegendem Teppich“ – den zweigeschoßigen . . .(c) Crystal O'Brien
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Dass eine Bibliothek ganz im Zeichen von Wissenserwerb und Forschung steht, wird niemanden überraschen. Mit der neu gefassten Grazer Universitätsbibliothek hat man darüber hinaus einen vibrierender Ort der Begegnung geschaffen.

Wozu vergrößert man das Raumangebot einer Bibliothek in Zeiten digitaler Megalomanie, in der mehr Informationen auf ein Smartphone passen, als man sich aus den gesammelten Bänden einer Kleinstadtbücherei holen kann? Wer heute Bibliotheken baut, will nicht mehr Speicher für noch mehr Bücher, sondern Orte der Begegnung schaffen. Lesen ist nur eine Option. Was gelesen wird, wird immer häufiger digital zur Verfügung gestellt. Diese weltweiten Trends machen auch vor der Universität als Ort des Forschens nicht halt. 2015 wurde für die Sanierung und Erweiterung der Uni-Bibliothek Graz ein Wettbewerb ausgeschrieben, in dem die „Gesamtbetrachtung der städtebaulichen Situation unter Berücksichtigung von qualitätvollen Außen- und Freiräumen“ verlangt wurde. Aus den 35 Beiträgen stach einer heraus: Signifikanz durch klare Formen und Proportionen wurde von der mutigen Jury mit dem ersten Preis bedacht.

Das Atelier Thomas Pucher aus Graz sah vor, die mehrfach durch Zubauten veränderte Bibliothek aus 1890 radikal zu „bereinigen“. Der Anbau aus den 1970ern im Norden wie der Verbindungsgang zum Hauptgebäude wurden entfernt, die historische Fassade wieder freigelegt. Dem Ring mit dem historischen Lesesaal als Kern wurden zwei Geschoße aufgesetzt – mit gläserner Fuge in guter Grazer Architekturtradition. Der als „fliegender Teppich“ bezeichnete neue Baukörper kragt im Norden weit aus und bildet mit dem Hauptgebäude der Universität in luftiger Höhe eine Fluchtlinie. Darunter entstand, etwas abgehoben von der nun deutlich artikulierten Ost-West-Achse, ein großzügig dimensionierter Platz, der punktgenau der Forderung nach einer städtebaulichen Aufwertung der Freiräume auf dem Campus entspricht.