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Fahrbericht

Die motorische Dreifaltigkeit aus Südkorea

Außen fällt der geschlossene Kühlergrill auf, unter der Haube die größere Batterie.
Außen fällt der geschlossene Kühlergrill auf, unter der Haube die größere Batterie.(c) Norbert Rief

Hyundai bietet den Ioniq mit drei alternativen Antrieben an. Wir fuhren die umweltfreundlichste Version mit größerer Reichweite.

Es ist immer wieder bemerkenswert, wie fortschrittlich Hyundai ist und wie wenig Aufhebens die Koreaner darum machen. So bietet man beispielsweise schon seit Jahren auch in Österreich ein Wasserstoffauto an, nur weiß kaum jemand davon. In der jüngsten Generation heißt er Nexo und gibt einem die Möglichkeit, das Autofahren der Zukunft mit elektrischem Antrieb und minutenschnellem Volltanken mit Wasserstoff schon jetzt auszuprobieren (allerdings zum stolzen Preis von fast 80.000 Euro).

Seit 2016 versucht sich Hyundai mit dem Ioniq auch in der motorischen Dreifaltigkeit. Kein eigenes Modell für jede Art des Antriebs, sondern eine Plattform für drei verschiedene alternative Antriebe. Das hilft, in der Fertigung Kosten zu sparen. Den Ioniq, der durch das nach hinten abfallende Dach an ein Coupé erinnert, gibt es als Hybrid, als Plug-in-Hybrid oder als reines Elektrofahrzeug. Mit 4,47 Meter Länge, einem Radstand von 2,7 Metern und einem Kofferraumvolumen von 341 bis 1505 Liter (je nach Modell) bietet er mehr Platz als viele andere Elektroautos.

Drei Jahre sind in der Welt der E-Fahrzeuge freilich eine halbe Ewigkeit und deshalb haben die Südkoreaner den Ioniq Elektro für das Modelljahr 2020 umfangreich überarbeitet. Die wichtigste Änderung betrifft die bei Elektroautos am häufigsten gestellte Frage – die Reichweite. Dank einer größeren Batterie (38,3 kWh) sind es laut WLTP jetzt 311 Kilometer.

In unserem Test kamen wir auf um die 260 Kilometer. Völlig ausreichend zum Pendeln, zu wenig allerdings für einen schnellen Ausflug nach Salzburg, wenn man den tatsächlich mit dem E-Auto machen will. Die 260 Kilometer kamen ohne Autobahn zustande, dafür aber bei den kühlen Temperaturen der vergangenen Wochen mit stets aktivierter Heizung. Übrigens eine interessant Erfahrung, wenn die angepeilte Smatrics-Schnellladestation nicht funktioniert und man mit dem letzten Saft die private Steckdose erreicht – leicht unterkühlt, weil die Heizung derart viele Kilometer von der Reichweite frisst. Im Durchschnitt fuhren wir den Ioniq mit etwa 15 kWh auf 100 Kilometer.

Im überarbeiteten Modell kommt auch die Ein-Pedal-Fahrfunktion zum Einsatz, mit der man das Auto fast ohne Bremspedal benützen und dafür die Batterie wieder aufladen kann.

Außen muss man genau schauen, um die Änderungen zu erkennen. Am auffälligsten ist der geschlossene Kühlergrill und die neu gestalteten LED-Lichter. Den Innenraum hat Hyundai ebenfalls auf den Stand der Zeit gebracht, unter anderem mit einer eigenen App zur Autokontrolle, einem vergrößerten Display (bis zu 10,25 Zoll) und hochwertigerem Design.

Den Hyundai Ioniq Elektro gibt es in vier Ausstattungsstufen, ab 37.490 Euro. (rie)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.01.2020)