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Mein Montag

Sätze, die wir niemals hören wollen

Aus gegebenem Anlass – Sie müssen jetzt stark sein. Aber wir müssen dringend reden . . .

Wir müssen reden. Genau über Sätze wie diesen nämlich. Denn was auf die Einleitung folgt, dass man etwas zu bereden habe, ist in der Regel nicht angenehm. Nun, wie soll ich Ihnen das sagen? Unheilschwangere und bedeutungsvolle Satzanfänge treten in vielerlei Gestalt auf. Der guten Ordnung halber teile ich mit . . . Was soll darauf schon folgen als eine Ermahnung, eine Einschränkung oder eine Hiobsbotschaft? („Der guten Ordnung halber teile ich Ihnen mit, dass ich Ihnen alles Gute zum Geburtstag wünsche“, jetzt aber nicht im Ernst, oder?) Sie müssen jetzt stark sein. Das ist besonders dann heftig, wenn man es von einem Mediziner hört – und ja, noch schlimmer als: „Das wird jetzt ein bisschen wehtun.“ Bitte setzen Sie sich erst einmal hin. Was kann so schlimm sein, dass man es nicht im Stehen aushalten würde? Es sind Sätze, die wir niemals hören wollen. Nicht ihretwegen, sondern wegen der Sätze, die danach kommen. In schriftlicher Form entspricht dem die Formulierung „aus gegebenem Anlass“, bei der der Ermahnung oder Ankündigung einer Einschränkung zumindest gelegentlich immerhin ein Zauber innewohnt – welche mehr oder weniger skurrile Begebenheit wohl der gegebene Anlass gewesen sein mag?

Sätze, die wir nicht hören wollen, können natürlich auch auf einer inhaltlichen Ebene spielen. Haben Sie reserviert? In Kombination mit dem Blick des Kellners hat das schon Tagverderbungspotenzial. Aber darum soll es jetzt nicht gehen. Auch die Killerphrase, mit der Eltern ihre Kinder fertigmachen, passt nicht ganz: Ich bin nicht böse, ich bin nur enttäuscht. Bleiben wir lieber bei den unheilvollen Einleitungssätzen. Ich habe nachgedacht. Da wäre noch etwas. Was ich noch sagen wollte. Und vielleicht noch einer, mit dem man einen ähnlichen Effekt erzielt, allerdings erst am Ende einer Unterhaltung: Haben Sie sich das wirklich gut überlegt?

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("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.01.2020)