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Wissenschaft

Die letzten Mammuts litten an Gendefekten

(c) imago images/Ikon Images (Caroline Church via www.imago-im)
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Inzucht setzte den Tieren auf russischer Insel zu.

Die vermutlich letzten Vertreter der Wollhaarmammuts lebten vor rund 4000 Jahren auf der russischen Wrangelinsel im Arktischen Ozean – doch da stand es um ihre Art bereits schlecht. Die geringe Größe und die Abgeschiedenheit der Population führten zu Inzucht, die eine Vielfalt genetischer Defekte mit sich brachte, wie ein internationales Forschungsteam mit österreichischer Beteiligung im Fachblatt Genome Biology and Evolution(7. 2.)berichtet.

Für die Studie wurde das Erbgut der russischen Mammuts mit jenem von drei asiatischen Elefanten sowie von zwei älteren Mammuts verglichen, die zu einer Zeit lebten, in der die Zahl der Tiere noch viel größer war. Dabei zeigte sich eine Reihe genetischer Mutationen in der DNA der Rüsseltiere von der Wrangelinsel.

Ob diese Mutationen auch schädlich für die Tiere waren, überprüften die Forscher in Zellmodellen. Daran beteiligte sich auch der Molekularbiologe Alexander Dammermann von der Med-Uni und Uni Wien, der das Gen HYLS1 untersuchte. Mutationen in diesem Gen führen beim Menschen zu dem Hydrolethalus-Syndrom, das zu Entwicklungsstörungen in vielen Geweben führt.

 

Gestörter Geruchssinn

Die Mutationen der Mammut-DNA überführten die Forschenden in Zellkulturen von Elefanten, Fröschen und Menschen, um herauszufinden, ob die Genveränderungen einen Effekt auf die zellulären Prozesse haben. Neben HYLS1 wurden weitere mutierte Gene getestet, die an wichtigen Funktionen wie der neurologischen Entwicklung, der Fruchtbarkeit der Männchen oder dem Geruchssinn beteiligt sind.

Es zeigte sich, dass die Mutationen unter anderem das Riechen beeinträchtigten – die Mammuts waren vermutlich nicht einmal mehr in der Lage, die Pflanzen zu erkennen, die sie gefressen haben. (APA/däu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.02.2020)