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Gastkommentar

Frauentag: Von Kinderfreuden und Lohneinbußen

Ein Baby in China.
Ein Baby in China.© 2018 Yiu Yu Hoi
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Mütter verdienen nicht nur weniger als Männer, sondern auch weniger als ihre kinderlosen Kolleginnen.

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Der 8. März bietet Jahr für Jahr den idealen Anlass, die große Gehaltsschere zwischen Frauen und Männern zu erörtern. Die Debatte wird nicht ohne Emotion geführt, was auch daran liegt, dass mit gewagten Größenordnungen hantiert wird. Oft wird dabei die Diskriminierung von Frauen in den Fokus gerückt. „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ heißt es dann, und Forderungen nach Lohntransparenz werden laut. Doch das ist eine Themenverfehlung.

Warum? Der unbereinigte Gender-Gap liegt laut Statistik Austria bei knapp 37 Prozent der Bruttoeinkommen. Rechnet man Faktoren wie Beruf oder Teilzeit heraus, reduziert sich diese Zahl auf sieben Prozent. Bei diesem Rest muss es sich nicht unbedingt um Diskriminierung handeln. Genau sagen lässt sich das allerdings nicht, denn den Experten fehlen die Daten. Es mag durchaus sein, dass Frauen tatsächlich diskriminiert werden. Selten handelt es sich dabei aber um eine „echte“ Lohndiskriminierung. Denn ganze 98 Prozent der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Österreich bekommen Löhne nach Kollektivverträgen. Es kommt eher aufgrund der tradierten Rollenbilder dazu, dass Mädchen und Buben ihnen „zugeschriebene“ Berufe wählen. Mädchen entscheiden sich für eine Lehre als Friseurin, Buben für eine zum Automechaniker. Auch wenn eine Friseurin gleich viel erhält wie ihr Kollege, als Technikerin würde sie mehr verdienen.

Es ist nicht der Mother-, nicht der Gender-Pay-Gap

Tatsächlich machen Kinder den großen Unterschied: Der Gender-Pay-Gap ist ein Motherhood-Pay-Gap. Frauen mit Kindern verdienen selbst zehn Jahre nach der Entbindung um ein Drittel weniger als Frauen ohne Kinder. Frauen und Männer, die nie in Karenz waren, verdienen ungefähr dasselbe. Werden Mütter also diskriminiert? Nicht unbedingt, denn auch Männer, die in Karenz waren, müssen mit Lohnverlusten rechnen. Tatsächlich gehen aber vier von fünf Väter gar nicht in die Karenz.

Letzteres ist der wichtigste Grund für die Einkommensunterschiede: Frauen, nicht Männer, bleiben lang zu Hause mit den Kindern und arbeiten über Jahre hinaus in Teilzeit – etwa die Hälfte sogar bis zum 18. Geburtstag des Kindes. Und da der Nachwuchs oft in der entscheidenden Karrierephase kommt, bleiben die Einkommen der Frauen auf der Strecke. Und damit langfristig auch die Pensionshöhe, die bei Frauen im Schnitt um 40 Prozent niedriger ist und zur Altersarmut führt. Was kann die Politik also tun? Nicht immer erfolgen die persönlichen Karenzentscheidungen freiwillig. Oft mangelt es an der Infrastruktur. Insbesondere im ländlichen Bereich ist es nach wie vor kaum möglich, dass beide Partner Vollzeit arbeiten, da nur wenige Betreuungsplätze ganztags geöffnet haben. So verfügen nur 25 Prozent der oberösterreichischen Kindergärten über eine Ganztagsbetreuung, in Wien sind es hingegen bereits 95 Prozent. Das Wiener Modell sieht zudem vor, dass das Geld den Kindern folgt: Der Steuerzahler finanziert also auch die privaten Plätze mit. So hat sich die „Kindergartenproblematik“ seit der Einführung 2009 so gut wie in Luft aufgelöst. In Skandinavien entschärfen kürzere und aufgeteilte Karenzzeiten die Problematik. Österreich könnte sich hier ein Vorbild nehmen und die Karenz kürzen, z. B. auf maximal ein Jahr für jeden Partner. Der nicht in Anspruch genommene Teil der Karenz sollte nicht auf den Partner oder die Partnerin übertragen werden können. Im Gegensatz zur Themenverfehlung der „Diskriminierung“ und inhaltsleeren Forderungen nach „gleichem Lohn für gleiche Arbeit“ wären das Maßnahmen, die langfristig an diesem Gender-Pay-Gap etwas ändern werden.

Dr. Monika Köppl-Turyna ist Ökonomin bei der wirtschaftsliberalen Denkfabrik Agenda Austria, Autorin der Studie „Warum der Gender-Pay-Gap eigentlich ein Motherhood-Pay-Gap ist“ und selbst Mutter.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.03.2020)