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Gastkommentar

In welche Gesellschaft stolpern wir da gerade hinein?

CORONAVIRUS: SCHLOSSPARK SCHOeNBRUNN
APA/GEORG HOCHMUTH
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Verdachtsfälle isolieren, Glutnester lokalisieren, Umgebungsuntersuchung. Was ist das für eine Sprache? Und wann hört das wieder auf?

Wir leben – entsprechend dem chinesischen Fluch – in interessanten Zeiten. Die Regierung schränkt unsere Bürgerrechte im Rahmen des demokratisch gerade noch Vertretbaren ein und erreicht damit Zustimmungswerte, die sie andernfalls nie erzielt hätte.

Es gibt Untersuchungen, die zeigen, wie stark das autoritäre Potenzial im Verlauf der 75 Jahre Zweite Republik abgenommen hat. Das soll hier nicht bezweifelt werden. Doch Covid-19 lehrt uns: Dieses Potenzial schlummert und im Falle einer Bedrohung schnellt es in die Höhe. Voraussetzung dafür ist, dass die Opposition schwach ist und dass die Medien – allen voran der Boulevard – häufig als verlängerter Arm der Regierung dienen mit dem Bestreben, das Bedrohungsszenario und die damit verknüpften Verbote auch dem Dümmsten verständlich zu machen. Wer es trotzdem nicht versteht, für den ist die Polizei da. Einen solchen Zustand herzustellen, ist wesentlich einfacher, als wir uns vor sechs Monaten hätten träumen lassen.

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Natürlich hätte die Regierung allein das niemals geschafft. Sie braucht dazu die Wissenschaft und den Appell an unsere Vernunft. Und an unsere Angst. Die ist ganz wichtig. Darüber kann man nachdenken. Ein Blick zurück: Ohne das Zusammenspiel von Wissenschaft und Kirche und Angst wäre es nicht möglich gewesen, den Menschen mehr als zweieinhalb Jahrhunderte lang einzureden, dass es Hexen gibt, die mit dem Teufel schlafen und die fähig sind, das Wetter zu machen und ihren Mitmenschen das Vieh zu verderben. Und ohne das Zusammenspiel von Wissenschaft und Politik und Neid wäre es nicht möglich gewesen, den Menschen einzureden: „Die Juden sind unser Unglück.“ Dazu bedurfte es zuvor der Rassenkunde. Und noch zuvor der Kirche.