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Psychotraumatologie

Der Tod ist allgegenwärtig, aber unsichtbar

Trauerrituale sind stark kulturell geprägt. Aktuelle Sicherheitsvorkehrungen verunmöglichen sie fast überall auf der Welt.
Trauerrituale sind stark kulturell geprägt. Aktuelle Sicherheitsvorkehrungen verunmöglichen sie fast überall auf der Welt.(c) REUTERS (Bruno Kelly)
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Die Covid-19-Pandemie lässt Menschen weltweit angesichts hoher Opferzahlen in ein kollektives Traurig-Sein versinken. Gleichzeitig verunmöglicht sie tief in uns verankerte Rituale rund um Verlust und Trauer.

Soldaten, Opfer von Entführung, Folter oder häuslicher Gewalt, vergewaltigte Frauen, misshandelte Kinder – ihre Erlebnisse lassen sich nur schwer vergleichen, doch ihre Psyche reagiert mit Verzögerung ähnlich darauf: Flashbacks, Schlafstörungen, Depressionen, Suchtverhalten. Erst vor vierzig Jahren erkannte die Forschung die komplexen Zusammenhänge. Der Fachbegriff Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) für die psychische Erkrankung nach einem schweren Trauma geht auf die US-amerikanische Psychologin Judith Lewis Herman zurück, die mit ihrer Arbeit mit Opfern von häuslicher Gewalt und Veteranen des Vietnamkriegs als Wegbereiterin der Diagnose gilt.

Traumatisierende Krise?

Mit Besorgnis beobachtet Brigitte Lueger-Schuster, Leiterin der Arbeitsgruppe Psychotraumatologie der Universität Wien, so wie viele ihrer Fachkollegen, derzeit den Fortgang der Coronapandemie und deren Auswirkungen auf die psychische Gesundheit der Bevölkerung. „Diese mögliche Form von Traumatisierung hatten wir bisher noch nie. Wir sind mit etwas beschäftigt, das Todesnähe hat – das ist ein Traumakennzeichen, aber in großen Teilen zumindest der österreichischen Bevölkerung kommt man damit nicht in Berührung“, erklärt die Psychologin.