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Mein Montag

Seit doch bitte ruhig, das ist ja schlimmer wie in der Schule

Der Unterschied, wo bei Vergleichen „wie“ und wo „als“ eingesetzt wird, ist nicht jedem immer klar.

Als ich geboren wurde, war ich noch sehr jung. Aber selbst damals wäre ich nicht auf die Idee gekommen, diesen Satz mit einem „wie“ zu beginnen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, schließlich wird das „als“ hier als unterordnende Konjunktion verwendet, die einen Haupt- und einen Nebensatz verbindet. Entweder wird damit ein zeitliches Verhältnis geschildert, so wie bei meiner Geburt, wenn Sie sich erinnern (lesen Sie einfach am Beginn des Textes nach), oder es werden modale Beziehungen angezeigt, also solche, die die Art und Weise kennzeichnen – bei meiner Geburt habe ich geschrien, als ob ich Sänger einer Rockband gewesen wäre. So weit, so simpel. Auch nicht so schwierig ist es, wenn das „als“ bei einer Apposition verwendet wird (als was?), also bei einem erklärenden Nomen neben einem Bezugswort (Ich als Neugeborenes habe mich damit aber noch nicht beschäftigt.). Doch wird das „als“ bei Vergleichen verwendet, gibt es oft Unsicherheit, ob man stattdessen nicht „wie“ sagt. Sie wissen schon, „kein Land hat großzügigere Hilfspakete wie Österreich“.

Dazu einmal die Theorie: Geht es bei Vergleichen um Gleichheit, verwendet man „wie“. (Wie hat genauso viele Buchstaben wie als.) Wird damit Ungleichheit ausgedrückt, kommt das „als“. (Als wird noch öfter falsch verwendet als wie.) Und damit man sich das leichter merkt, gibt es eine Eselsbrücke: Bei „als“ ist das „l“ größer als das „a“ oder das „s“, darum verwendet man es bei Unterschieden. Bei „wie“ sind alle Buchstaben gleich groß, also verwendet man es, wenn es um etwas Gleiches geht. Das ist fast genauso einfach wie die Unterscheidung, wann man seid und wann seit sagt. (Seid ihr eigentlich noch alle da?) Aber das ist eine andere Geschichte, Sie können sich jedoch vorstellen, dass da auch viele Fehler gemacht werden. Als ich das bemerkt habe, hab ich auch geschaut als wie . . .

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2020)