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Barbara Sladek: „Du bist, was du gegessen und wie du gelebt hast“

Barbara Sladek
Barbara SladekMyBioma
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Nominiert in der Kategorie „Start-ups": Gemeinsam mit Nikolaus Gasche entwickelte Barbara Sladek einen Analyse-Kit für das Darm-Mikrobiom: Das erzählt nämlich jede Menge über unseren Körper.

Dass uns selbst die spätsommerliche Sonne einen Sonnenbrand bescheren kann, ist den meisten klar. Genauso, dass man sich mit Sonnencreme dagegen schützen kann. Rund um die Ernährung gebe es weit weniger Bewusstsein, sagt Barbara Sladek. Denn: „Den Darm sieht man nicht.“ Dabei spiele das Darm-Mikrobiom bei fast allen Krankheiten, die ein Mensch bekommen kann, eine Rolle, sagt die 34-Jährige. Der Großteil der rund 39 Billionen (!) Mikroorganismen, die in einen menschlichen Körper leben, befindet sich im Darm. Sie zu entschlüsseln ist nicht nur eine enorme Aufgabe, sondern produziert auch einen unglaublich großen Datenschatz. Den zu heben haben sich Sladek und Nikolaus Gasche zur Aufgabe gemacht.

Sie, die Natur- und Wirtschaftswissenschaftlerin, und er, der Mediziner, entwickelten eine Mikrobiom-Analyse für jedermann: eine personalisierte Diagnostik auf Basis des Darm-Mikrobioms, weil „kein Mikrobiom dem anderen gleicht“, wie Sladek sagt: „Du bist, was du gegessen und wie du gelebt hast.“ Anhand der Diagnose ließen sich dann Präventionsmaßnahmen ergreifen, um Krankheiten zu verhindern.

Um so eine Analyse durchführen zu können, bestellt man über die Plattform MyBioma oder über einen Diätologen einen Kit. Zu Hause nimmt man eine Stuhlprobe und sendet sie ein. In einem Labor der Medizinischen Universität Wien erfolgt in einem hochaufwendigen Verfahren die Sequenzierung, die vier bis sechs Wochen dauert. Schließlich muss zuerst die DNA der Bakterien gereinigt werden, um die Analyseschritte durchführen zu können. Und schlussendlich erhält man einen detaillierten Bericht über Mikrobiom-Diversität und -Gesundheit, Informationen über Kalorienverwertung, Vitamin-, Zucker-, Fett- und Proteinstoffwechsel, Auswirkungen auf Gewicht, Diabetes, Leber, Niere und Herz-Kreislauf und individualisierte Empfehlungen und Tipps rund um Ernährung und Lebensstil.

Heute ist MyBioma an der FH Technikum angesiedelt. Die ersten Gespräche über die Bedeutung des Darm-Mikrobioms aber führten Sladek und Gasche weit entfernt von Wien – in Ghana. Sladek war als Reisende dort, Gasche als Famulant.

Drei Jahre und viele Gespräche später setzten sie ihren Plan um und gründeten das Biotech-Start-up MyBioma mit dem Fokus auf „Next Generation Sequenzing, einem wissenschaftlichen und IT-lastigen Verfahren“, sagt Sladek. Doch noch mehr: Sladek und Gasche nahmen sich vor, so etwas wie „die perfekte Firma“ zu gründen und „die Leidenschaft für das Thema Naturwissenschaften und Wirtschaft unter einen Hut zu bringen, um gut schlafen zu können“. Und sie wurde zum Ort, an dem sie gern arbeiten, an dem „Eigenverantwortung und Flexibilität ihren Platz haben. Mit allem was wir tun, wollen wir einen Impact erzeugen“, sagt Sladek. Das, was die Mitarbeiter tun, solle daher einen Mehrwert für sie selbst und selbstverständlich auch für die Umwelt haben. Das fange beim einfachen Instagram-Posting an und gehe letztlich bis zur komplizierten Mikrobiom-Analyse. (mhk)