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Dani Varga: Danis Welt dreht sich auch in der Krise

Dani Varga
Dani Vargaprivat
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Mit „Danis Welt“ erfand Kindergartenpädagogin Dani Varga spontan einen YouTube-Kanal, um mit „ihren“ Kindern Kontakt zu halten.

Ich habe mir“, sagt Dani Varga, „immer die Kinder vorgestellt.“ Jedes Mal, wenn sie während des Lockdowns in ihrem Wohnzimmer vor der Kamera ihres Handys Platz nahm, um etwas über Tiere, Farben oder Gefühle zu erzählen oder auch einfach, assistiert von ihrer Tochter, Sophie, ein Kartonschachtelhaus zu bauen.

Schon nach den ersten paar Tagen des Daheimseins, erzählt die Elementarpädagogin im Rückblick auf das heurige Frühjahr, habe sie begonnen, sich Gedanken zu machen, „wie ich meine Kinder erreichen kann“. Varga arbeitet in einem städtischen Kindergarten in Wien Landstraße, mit „wirklich vielen Kindern mit Migrationshintergrund“. Von jenen, die neu dazukommen, kann kaum eines Deutsch. Viele stammen aus „Lebensrealitäten, in denen Bildungsangebote, wie es sie im Kindergarten gibt, oft fehlen“.

Ihnen Wissen, aber auch Aufmerksamkeit und Wertschätzung angedeihen lassen; das will Varga mit „Danis Welt“. Während des Lockdowns produzierte sie täglich eine neue Folge; oft mussten die Nächte dran glauben, um in der Früh pünktlich online zu gehen. Wichtiger Partner war und ist der Maler Christian Bazant-Hegemark, der für die Kinder auf einem Tablet zeichnet und sich währenddessen mit Varga als Stimme aus dem Off unterhält – die Gespräche gleiten mitunter ins Absurde und entpuppten sich auch für Erwachsene als großen Spaß. Auch die Kinder werden dazu animiert zu malen; fertige Zeichnungen werden gezeigt und gelobt.

In technischen Fragen stand Bazant-Hegemark ebenfalls zur Seite. Sie selbst, sagt Varga, sei ja eher ein Naturmensch; die Stabheuschrecken und Schmetterlinge, die sie für die Kinder hegt und pflegt, liegen ihr eher am Herzen als Schnittprogramme. Aber es sei eben eine Tatsache, dass Kinder oft mit Handys ruhiggestellt würden. „Es ist eine tolle Technologie, aber es hängt von der Nutzung ab.“ Mittlerweile hat sie recherchiert, was es in der Medienlandschaft für Kinder im Kindergartenalter gibt. Ergebnis: „In der Elementarbildung fehlen völlig die Formate.“ Das ist der Grund, warum es „Danis Welt“, das längst nicht mehr nur „ihre“ Kinder verfolgen, auch jetzt noch gibt. Sie habe sich entschieden, den Kanal weiterzuführen, „wenn auch nicht in der gleichen Frequenz“.

Zumal er, wie Varga entdeckt hat, auch in ihrer täglichen Arbeit neue Möglichkeiten eröffnet. Bastelanleitungen etwa könne sie nicht für jedes Kind einzeln wiederholen – wem etwas zu schnell gegangen ist, der kann es sich auf Video einfach noch einmal anschauen. Eltern wiederum wüssten oft gar nicht, welche Bedürfnisse ihre Kinder haben. So habe ihr Projekt den Nebeneffekt, dass Eltern merken, was Förderung bedeutet. Eine Mutter, berichtet sie, habe nun Schere, Stifte und Papier gekauft. Bisher habe es das im Haushalt nicht gegeben, „dabei ist ihr Kind schon fünf“. Auch die Sprachprobleme der Eltern ließen sich über den direkten YouTube-Zugang zu den Kindern umgehen. Sie selbst, sagt Varga, machen Kinder einfach glücklich. „Ich habe das Gefühl, ich kann ihnen Gutes tun.“ (tes)