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Berufe, die die Jüngeren nicht mehr kennen

Es war einmal der Schiffschaukelbremser.
Es war einmal der Schiffschaukelbremser.Fortepan
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Was hat ein Haftlmacher eigentlich gemacht? Und wo begegnet man einem Schiffschaukelbremser?

Passen Sie gelegentlich auf wie ein Haftlmacher? Gut für Sie, wenn Sie ganz besonders aufmerksam sein können. Aber haben Sie sich jemals gefragt, was ein Haftl eigentlich sein soll? Nun, beim Haftlmacher handelte es sich in früherer Zeit um einen Handwerker, der Heftnadeln oder Heftln herstellte – im norddeutschen Raum verwendet man eher die Heft-, im süddeutschen und österreichischen Raum eher die Haft-Form.

Dabei handelte es sich um kleine Haken, mit denen man die Kleidung zusammenhielt. Und weil sie so klein waren, musste man bei ihrer Herstellung besonders konzentriert sein. Heute noch weniger geläufig ist der Lichtputzer. Er rührt aus der Zeit her, in der Theatersäle noch mit Wachskerzen beleuchtet wurden. Und, die Jüngeren kennen das nicht mehr, bei manchen musste der Docht geschnitten werden, damit er nicht rußte. Das machten die Bühnenarbeiter auch während der Vorstellung – vom Publikum wurden sie auch mehr oder weniger liebevoll Dochtschneuzer genannt.

Wer sich noch an „Licht ins Dunkel“-Versteigerungen im Fernsehen erinnern kann, hat vielleicht noch im Ohr, dass gelegentlich der Sensal aufgerufen wurde. Dahinter verbirgt sich eine Art Makler, der bei Auktionen für Bieter mitsteigert, die anonym bleiben wollen. Auf eBay und Co. braucht man den heute halt nicht mehr. So wie man auch bei den heutigen Attraktionen im Prater keinen Hutschenschleuderer mehr benötigt. Das waren die Mitarbeiter, die auf Jahrmärkten die Schaukeln bedienten. Für diese nicht sonderlich hoch qualifizierte Tätigkeit gab es auch ein Synonym – den Schiffschaukelbremser. Der wurde auch gern als abschreckendes Beispiel verwendet, um etwa soziale Dünkel auszudrücken: „Bring mir ja keinen Schiffschaukelbremser nach Hause!“ Sollten Sie derart angesprochen werden, sollten Sie also gut aufpassen. Etwa so wie ein Haftlmacher.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com