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Wissen Sie eigentlich, warum man Spießer Spießer nennt?

Die Bürger verteidigten im Mittelalter ihre Städte mit dem Spieß.
Die Bürger verteidigten im Mittelalter ihre Städte mit dem Spieß.(c) imago stock&people
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Was die Bewaffnung der Städter im Mittelalter mit geistig unbeweglichen Menschen zu tun hat.

Mit abwertenden Bezeichnungen ist man ja recht schnell. Und im Eifer des Gefechts kann es dann eben passieren, dass man jemanden einen Spießer nennt. Gut und schön, aber was versteckt sich eigentlich hinter diesem Begriff? Nun, die Bedeutung ist weitgehend klar, beschrieben werden damit Menschen, die sich durch geistige Unbeweglichkeit auszeichnen, aber auch solche mit einer ausgeprägten Ablehnung jeglicher Veränderung der gewohnten Lebensumgebung. Aber was hat das mit einem Spieß zu tun? Dazu muss man wissen, dass „Spießer“ eine seit dem 19. Jahrhundert verwendete Kurzform des Spießbürgers ist. Und der wiederum kommt daher, dass die Bürger im Mittelalter ihre Städte mit dem Spieß verteidigten, einer relativ günstig herzustellenden Waffe. Zunächst war der „Spießbürger“ auch nichts Ehrenrühriges, doch mit dem Aufstieg der Feuerwaffen verlor der Spieß seine Wirksamkeit. Und die Städter, die noch lang schwerfällig an der Bewaffnung ihrer Urgroßväter festhielten, wurden so zum Spott- und Schimpfnamen für rückständige Menschen, die sich jedem Fortschritt verschließen.

Ein ähnlicher Begriff ist der Philister. Der kommt aus der Studentensprache und leitet sich vom biblischen Volk der Philister ab, das die Israeliten bekämpfte. Sie waren es, die die Brunnen Isaaks zuschütteten, was so interpretiert wird, dass sie sich selbst damit den Weg zur geistigen Erkenntnis verschlossen haben. Was von den Studenten auf alle Nicht-Studenten umgelegt wurde, also auf die Bürger. Es gibt dazu auch die Annahme, dass bei der Übertragung der Bedeutung von Philister eine Streckform aus Fister mitgewirkt haben soll, die vom Wort Fist kommt – einer abgehenden Blähung. Aber unter uns, haben Sie dieses Wort schon jemals gehört? Abgesehen davon, über einen Darmwind würde ich nie schreiben. Dafür bin ich viel zu spießig.

E-Mails an: erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.09.2020)