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Kolumne zum Tag

Die Fruchtfliegen, die Tauben und der Mensch

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Im Gegensatz zum intelligenten Getier um uns stellt man sich schwer auf neue Bedingungen ein.

Leider kann ich Ihnen einen zweiten Teil meiner Tauben-Saga nicht ersparen. Ihre mitfühlenden Zuschriften hatten einen höchst therapeutischen Effekt, aber bedauerlichweise nur auf mich. Sie sind immer noch da und reihen sich pünktlich in der Früh (sehr früh) am Dachsims auf, um laut gurrend in die Küche zu starren. Es werden übrigens immer mehr.

Nun war ein neuer Taubenexperte da (er ließ die Schuhe an) und bestätigte die Beobachtung. Es spräche sich herum, wo es unterhaltsam sei, sagte er und riet mir, die Tauben nicht zu offensichtlich zu beobachten. Denn sie würden das im Gegenzug auch tun. Für diese ist es also großes Kino jeden Tag, da steht eine Irre in unterschiedlichen Bekleidungszuständen in der Küche, reißt die Fenster auf und zu und schreit und wachelt.

Die Einblicke des Experten in die Psyche der Tauben waren faszinierend. Wie er zu diesem Interesse käme? Man müsse den Gegner verstehen, um ihn loszuwerden, erklärte er und erzählte liebevoll von Wespen, Ratten, aber noch mehr von Tauben. Unglaublich intelligent und anpassungsfähig sind sie, ihren Lieblingsplätzen treu und gut zu ihren Familien. Vielleicht werden wir doch noch Freunde (nach dem Umzug).

Um noch kurz bei Tieren zu bleiben: Auch die Fruchtfliegen, die pünktlich zum Herbstbeginn wieder eingezogen sind, sind mit allen Wassern gewaschen (das Obst auch, aber es hilft nichts). Weder das Schüsselchen mit Zuckerwasser, noch das mit Essig, noch die professionelle Fruchtfliegenfalle interessiert sie im mindesten. So sieht eben perfekte Adaptation von schlauen Tieren an äußere Gefahren aus.

Wenn man sich auch so gut an neue Bedingungen anpassen könnte, wäre wohl vieles leichter, aber man wäre um einiges weniger Mensch. Es soll sich ruhig weiter seltsam anfühlen, wenn es seltsam ist.

E-Mails an: friederike.leibl-buerger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.10.2020)