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Wiener Täterbeschimpfung

Der Wiener hat auch in Momenten größter Furcht oder Fassungslosigkeit eine gesunde Bewältigungsstrategie: Er flucht.

 Als Montagnacht ein Attentäter bewaffnet durch die Wiener Innenstadt rannte, dabei wahllos Menschen tötete und verletzte, wurde er von einem Anrainer aus einer Wohnung darüber gefilmt. In dem Video ist deutlich eine männliche Stimme zu hören, die dem Täter zuruft: „Schleich di, du Oaschloch!“ Im Internet wird der unbekannte Flucher nun gefeiert. Auf Twitter wurde das einschlägige Schimpfwort sogar zum Trend. Den bürgerlichen Namen des Täters brauche man nun nicht mehr zu erfahren, schrieben manche, man wisse ja längst, wie der Mann heiße. Andere diskutierten die korrekte Schreibweise, also ob man das Schimpfwort nun mit r oder ohne, mit Oa oder nur mit O schreibe. Was der Twitter-Dichter @dichterpoet trocken kommentierte: „Wer Or statt Oa schreibt, hat die Kontrolle über seine Orthografie verloren.“

Die deutsche Zeitung „taz“ titelt seine Mittwochausgabe mit der Wiener Kulisse und darüber dem Schimpfsatz des unbekannten Fluchers. Der Satz wird auch sonst zu einer Parole des Aufstehens und Nichtunterkriegenlassens.

Das Fluchen gehört den Wienern aber nicht allein. Beim Amoklauf in München im Juli 2016 wurde gar ein Streitgespräch zwischen dem Täter und einem Anrainer gefilmt, der dem Schützen allerlei Schimpfworte entgegendonnerte. Darunter auch den Wiener Kraftausdruck. Der Bayer benutzt ihn allerdings ganz klassisch mit einem harten A zu Beginn. Und unbedingt mit r. (awa)

Reaktionen an: anna.wallner@diepresse.com