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Kolumne zum Tag

Montag, 20 Uhr

ANSCHLAG IN WIEN: PASSANTEN GEDENKEN DEN OPFERN AM TATORT IN DER WIENER INNENSTADT
Eine außerordentlich schwere Woche ist vorbei.APA/HELMUT FOHRINGER
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„Die Kinder lasse ich schlafen“, schrieb eine Facebookfreundin am Dienstagmorgen. „Ich weiß nicht, wie ich ihnen das sagen soll.“

Vielen, ja allen Eltern ist es am Morgen nach dem unfassbaren Montagabend wohl gleich gegangen: Wie erkläre ich das, was ich selbst kaum fassen kann, meinem Kind?

Eine außerordentlich schwere Woche ist vorbei, die uns von dem Rest Leichtigkeit, den uns Corona noch gelassen hat, noch einmal ein ordentliches Stück abgeschnitten hat, das aber, so versichern uns die Experten, wiederkehren wird. Man soll, empfehlen Psychologen, möglichst schnell zu seinem normalen Alltag zurückkehren, zu den Ritualen. Trotzdem fällt es schwer, hier an dieser Stelle von harmlosen, lustigen oder skurrilen Banalitäten zu berichten. Normalerweise hätte ich Ihnen wahrscheinlich ein bisschen von den Herbstferien erzählt, in denen das Kind zu meiner nicht übertrieben großen Freude sein altes Schönheitslabor wiedergefunden und sogleich die Küche in eine duftende Seifenfabrik verwandelt hat. Hätte vielleicht darüber geklagt, dass der Sportkurs des Kindes wegen des Lockdowns ein paar Wochen ausgesetzt ist. Montagnachmittag fand ich das noch ziemlich schade und ärgerlich, Montagabend nach 20 Uhr war es eine irrelevante Begleiterscheinung des Lockdown-Lebens.

Immerhin – man soll nach vorn schauen – ist trotz Lockdowns auf wundersame Weise der Eislaufverein nach wie vor offen, den wir wohl so oft es geht besuchen werden. Eine kleine Randnotiz, die uns aber in diesen Zeiten ein riesige Freude bereitet.

Apropos Randnotiz: Es war auch die Woche, in der das Schimpfwort „Oaschloch“ (auf Wienerisch bitte selbstverständlich ohne „r“) nicht nur salonfähig, sondern weltweit bekannt geworden ist. Das muss man natürlich nicht gut finden. Es hat aber viele Menschen in dieser unglaublichen Fassungslosigkeit kurz zum Schmunzeln gebracht. Und, so seltsam das bei einem Schimpfwort auch klingt, dazu, sich als Wiener zusammengehörig zu fühlen. Das ist in Zeiten wie diesen und speziell in dieser Woche bitte nicht nichts.

E-Mails an: mirjam.marits@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2020)