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Die „Zwillinge von Krems“ waren Buben

Neue Erkenntnisse zu ältester Zwillingsbestattung.

Der Fund galt 2005 als Sensation, weil es weltweit kaum Zeugnisse von Bestattungen des frühen Homo sapiens gibt – schon gar nicht von Kindern. Seit 2015 wurden die „Zwillinge von Krems“ im Naturhistorischen Museum (NHM) Wien freigelegt und von Forschern unterschiedlicher Einrichtungen untersucht. Die jüngsten, im Fachmagazin Nature Communications Biology(6. 11.) veröffentlichten Erkenntnisse zeigen, dass es sich bei den im Jungpaläolithikum bestatteten Säuglingen um eineiige Zwillinge, und zwar um Buben, handelte. Der eine dürfte knapp, der andere sechs bis sieben Wochen nach der Geburt gestorben sein. In der Nähe war auch ihr Cousin bestattet worden.

Mit den Analysen sei der „erste molekulargenetisch verifizierte und früheste Nachweis einer Zwillingsgeburt erbracht“, sagt Ron Pinhasi von der Uni Wien. Eine Mehrlingsbestattung aus dieser Zeit zu entdecken sei an sich schon eine Besonderheit. Dass sich aus den fragilen, kindlichen Skelettresten ausreichend qualitativ hochwertige DNA für eine Genomanalyse extrahieren ließ, habe alle Erwartungen übertroffen, sagt Maria Teschler-Nicola vom NHM.


Nacheinander beigesetzt

Das unterschiedliche Sterbealter der Säuglinge wurde durch Untersuchungen der seitlichen Milchschneidezähne festgestellt. Es belegt das bisher für das Paläolithikum unbekannte kulturhistorische Phänomen der Wiederöffnung eines Grabs zwecks Nachbestattung. Durch den unterschiedlichen Todeszeitpunkt lässt sich nun auch die unterschiedliche Lage der Leichname erklären. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass der frühe Tod der Kinder mit einer vor 30.000 Jahren am Wachtberg in Krems a. d. Donau herrschenden Nahrungsknappheit zu tun haben könnte. (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2020)