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Gastkommentar

Von einem, der auszog, um sich testen zu lassen

Die Massentests in Österreich sind angelaufen. Doch es gibt noch technische Schwierigkeiten.
Die Massentests in Österreich sind angelaufen. Doch es gibt noch technische Schwierigkeiten.APA/EXPA/JOHANN GRODER
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Massentests in Österreich: Ein Lehrer aus der Steiermark berichtet über seine Erfahrungen mit dem Anmeldesystem.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.

9:40 Uhr E-Mail von Herrn BM Faßmann – das Spiel beginnt.

Herr Bundesminister Faßmann, Producer des lustigen Spiels „Testanmeldung" lädt dich per Mail ein, an dieser neuen Challenge teilzunehmen. Das Neuartige ist die Verknüpfung von Wirklichkeit (Test) mit dem virtuellen Raum, wobei die spielerische Komponente nicht zu kurz kommt. Pokemon go für Lehrer quasi.

Begleitbrief wurde gelesen, auf den Link geklickt und es passiert …. Nichts!

Ladezeiten sind vorprogrammiert (man achte auf den Wortwitz).

9:48 Die Internetseite lädt und man kann seine Daten eintippen. Alles ist klar und übersichtlich, man kann sogar ein drittes Geschlecht eingeben. Die erste wichtige Frage ist jetzt, wie man informiert werden will! (Achtung Spoiler: Wählt man per SMS wird es schwieriger mit dem PC weiterzuspielen, dann geht’s nur mehr mobil, da sich der Link nicht am PC öffnen lässt.)

Dann heißt es warten: Folgende spannende Meldung taucht auf:

Unerwarteter Fehler! Bitte Probieren (sic!) Sie es nochmals!

Tja, so leicht lässt sich der Gegner nicht überlisten. In diesem Zusammenhang ist auch die Frage erlaubt, was ein „erwarteter Fehler“ ist …

10:03 Wie durch ein Wunder läutet das Telefon, ein SMS trudelt ein – wir sind in Level 2

Level 2 (4 Stationen)

Level 2 beginnt leicht, man braucht nur das Geburtsdatum eingeben und man kommt auf die zweite Stufe. Ich fass es kaum, Mann! Doch zu früh gefreut:

„Beim Laden der Teststationen scheint es ein Problem zu geben, bitte versuchen Sie es nochmals!“

Auch hier gilt es ganz klar, unlogisch zu denken, um diese Prüfung zu meistern. Man darf sich nicht von „Mein Bezirk“ oder „Mein Bundesland“ ablenken lassen, nein wir sind ÖsterreicherInnen und bleiben gemeinsam daheim und dürfen daher nur „Ganz Österreich“ als Teststation auswählen. Achtung: Tirol und Vorarlberg haben eigene Links und gehören da natürlich nicht dazu. (Der Geschichte und Geographie Lehrende fragt sich da, ob er da jetzt jahrelang etwas Falsches unterrichtet hat, aber das ist wahrscheinlich eine andere Geschichte…)

So jetzt beginnt der Spaß, sich durch beliebig angeordnete Postleitzahlen zu scrollen, die nach einem System angeordnet sind, das kein System ist. (Vielleicht sind es die Bundesländer, aber vielleicht ist es auch das Wahlergebnis der ÖVP bei der letzten Nationalratswahl im jeweiligen Ort, das für die Reihung ausschlaggebend ist. Man weiß es nicht.)

Man wählt seinen bevorzugten Testort aus und geht auf weiter und es passiert …. nichts.

Nein, falsch, es kommt eine neue Fehlermeldung, diesmal in schickem Gelb gehalten, die sagt, dass es keine Testtermine gibt.

Inzwischen ist es 10:38 Uhr, ich habe eine Stunde für eine Anmeldung ver(sch)wendet, ohne mich anzumelden.

Ich freue mich bereits auf die Zentralmatura am PC, dann haben wir endlich die Ganztagsschule flächendeckend eingeführt, da die Schülerinnen und Schüler einen Tag brauchen werden, bis sie die Aufgabenstellung überhaupt geöffnet haben.

So jetzt reicht es, jetzt gehe ich shoppen im Kaufhaus Österreich, das soll ja angeblich ähnlich toll aufgebaut sein …

Der Autor ist AHS-Lehrer in der Steiermark und wollte anonym bleiben. Sein Name und sein Arbeitsplatz sind der Redaktion bekannt.