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Das Maierhofer-Signal

ÖFB-Teamchef Didi Constantini hat auf verrückte Weise recht, wenn er Stefan Maierhofer ins Team holt – wenn er damit sagt, was er damit sagen soll.

Stefan Maierhofer ist also wieder im Teamkader. Der Lange hat für Rapid Tore geschossen, den Mund über beide Mundwinkel voll genommen, bei Wolverhampton die Bank gedrückt. Derzeit probiert er das Fußballspiel beim deutschen Zweitligisten MSV Duisburg. Wenn man ihm so zuschaut, erhält das Stereotyp, dass Rapid Jahr für Jahr seine besten Stürmer verkauft und dennoch weiterhin im entscheidenden Moment Goals macht, eine interessante Färbung.

Auf YouTube können sich vorurteilsfreie Gourmets ein Video von Maierhofers Beitrag zum Länderspiel gegen Litauen im Herbst 2008 reinziehen. Der Donauwalzer spielt und Maierhofer hüpft am Ball vorbei, sucht ihn, tritt ihn wie einen kaputten Staubsauger. Nach dem Match lobt er sich selber, und sein kongenialer Teampartner Emmanuel Pogatetz erläutert, warum sie soeben gegen die Lettenverloren haben.

Warum sollte ÖFB-Teamchef Didi Constantini Maierhofer in den Teamkader für das erste Match der EM-Qualifikation gegen Kasachstan berufen? Die fußballerischen Fertigkeiten des Riesen bilden keinen Grund dafür. Das weiß Constantini selbstverständlich auch, deshalb verfiel er auf die merkwürdige Begründung, Maierhofer sei ein Verrückter und ein Teamplayer. Das Erste mag stimmen, qualifiziert ihn aber nicht für das Nationalteam. Ein Teamplayerwiederum könnte Maierhofer nur sein, falls er spielen könnte.

Zum Verständnis der Sache hilft vielleicht ein Rückblick: Schon zu Zeiten des Teamchefs Hans Krankl tummelten sich merkwürdige Gestalten im Nationalteam. Dank besserer Ausbildung steigt zwar die Qualität der Spieler – aber offenbar nicht schnell genug. Denn die Ergebnisse des Nationalteams stagnieren auf niedrigem Niveau. Seit der WM 1998 in Frankreich hat es sich keine Teilnahme an einer Endrunde erkämpft. So ist es kein Wunder, dass Constantini geeignete Kräfte sucht und sucht und keine Mannschaft findet.

Die Klubs sind auch keine Hoffnungsträger. Das Vorjahr mit vier Klubs in der Europa League war offenbar ein Ausreißer, heuer hat nur Rapid ein Ergebnis gegen die Wahrscheinlichkeit erzwungen. Die Salzburger sind mit einer sauteuren Legionärstruppe wieder an der Schwelle zur Champions League abgewiesen worden. Die letzten zwei Österreicher in der Salzburger Mannschaft, Christoph Leitgeb und Roman Wallner, waren keine große Hilfe.


Welche politischen und sportlichen Konsequenzen erzwingt die Lage? Wenn sauteure Brasilianer, Urus und Argentinier, die zusammen keine Silbe Deutsch außer Red Bull können, gegen Hapoel Tel Aviv keine Chance haben, ist eine Einbürgerungsinitiative von Qualitätsarbeitskräften überfällig. Und kleinliches Bestehen auf Deutschkenntnissen vor dem ersten Länderspiel kann sich das Land nicht mehr leisten.

Das will Constantini mit der Einberufung des „Verrückten“ sagen. Aber vielleicht liegt ja auch die Zukunft des ÖFB-Teams in der Spaßauslage von YouTube.


sport@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.08.2010)