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Morgenglosse

Liebes Pflegepersonal, bitte kümmern Sie sich um uns

CORONA: START DER IMPFUNGEN IN DEN WIENER COVID-STATIONEN
APA/GEORG HOCHMUTH
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Die Impfquote beim Pflegepersonal ist erschreckend niedrig - auch wenn Skepsis teils nachvollziehbar ist. Wer sich schon nicht für sich selbst impfen lässt, sollte es aber vielleicht für andere tun. Sonst wird der Spuk nie aufhören.

Niemand hat das Pflegepersonal in den Alten- und Pflegeheimen gefragt, ob es ihnen in den Kram passt, dass sie als erstes geimpft werden. Dass Gesundheitsminister Rudolf Anschober nun schon mehrfach gesagt hat, dass es sich bei den ersten Impfungen um eine Pilotphase handelte, wo die Verträglichkeit des im Schnelldurchlauf entwickelten Impfstoffs getestet werden soll, ist auch nicht gerade vertrauenserweckend. Und strategischer Vollholler.

Eine gewisse Skepsis beim Pflegepersonal ist also verständlich, dass sich in vielen Bundesländern nur rund 30 Prozent impfen lassen, rechtfertigt das aber nicht. Und lässt alle anderen, die viel für eine Impfung geben würden und noch monatelang warten müssen, ratlos und teils auch wütend zurück.

Einer für alle, alle für einen

Gerade das Pflegepersonal, das seit Monaten die Speerspitze im Kampf gegen die Pandemie bildet (und dem definitiv zu wenig gedankt wird), sollte ein massives Interesse haben, dass sich an der Situation endlich etwas ändert. Die Pflegenden haben hautnah die schlimmsten Auswüchse der Pandemie erleben müssen: Rund 40 Prozent aller Toten sind in den Alten- und Pflegeeinrichtungen zu beklagen. Und auch das Personal war häufig von Erkrankungen betroffen - die Arbeitsbelastung war und ist extrem hoch. Während Ärzte, die Dienste im Kampf gegen die Pandemie anbieten, dauernd Extrahonorare bekommen, bleiben die Pflegenden ohne Dank und Geld zurück. Das war und ist nicht fair.

Und jetzt ist wieder das Pflegepersonal gefordert, sich in die erste Reihe zu stellen. Denn diesem Spuk kann nur die Impfung ein Ende bereiten. Wer sie schon nicht für die eigene Gesundheit in Anspruch nehmen will, sollte das aber für alle anderen tun, die wir lieben und für die wir auch Verantwortung tragen: die Alten, die Kranken, die Familie, die Freunde - und auch die Kinder, die die wirtschaftlichen Folgen dieses Wahnsinns noch viele Jahre abzahlen werden müssen.

Bitte, liebe Pflegenden, die Sie sich auch sonst so gut um uns wichtige Menschen kümmern: Kümmern Sie sich noch einmal um uns, bilden Sie noch einmal die Speerspitze, und gehen Sie mit gutem Vorbild voran. Wir werden folgen.