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Mein Dienstag

Segen und Fluch der belgischen Konfliktscheue

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Die wenigen Corona-bedingten Demonstrationen in Belgien - wie diese besorgter Gastwirte am 5. Februar in Brüssel - verlaufen bisher fast durchwegs friedlich.AFP/KENZO TRIBOUILLARD
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Solche Szenen wie jüngst in Wien gab es in Brüssel glücklicherweise (noch) nicht. Aber die belgische Konfliktvermeidung hat auch Schattenseiten.

Gibt es bei Euch in Belgien auch so viele Coronaleugner, fragen mich Freunde aus der Heimat dieser Tage immer wieder. Ich muss dann stets verneinen. Zwar protestieren immer wieder da und dort ein paar Hundert Leute gegen die Maßnahmen der Regierung zur Eindämmung der Seuche. Die werden aber, sobald sich andeutet, dass es ihnen um Randale geht, rasch von der Polizei beamtshandelt. Tausende maskenlose Spinner, teilweise auch alkoholisiert und generell übergriffig geneigt: Solche Szenen wie jüngst in Wien gab es hier in Brüssel glücklicherweise (noch) nicht.

Denn die Belgier scheinen mir nach gut einem Jahrzehnt, welches ich hier mit Unterbrechungen lebe, sehr konfliktscheu zu sein. Man regt sich hier weniger schnell auf als in Wien (der Wiener pudelt sich, sobald er die Schwelle der Wurschtigkeit überschritten hat, gern bis an die Grenze des Herzinfarkts auf), lässt den Dingen ihren Lauf und den Leuten ihre Marotten. Das finde ich in Normalzeiten sehr angenehm; man merkt, dass Belgien eine liberale Gesellschaft ist, wo man lebt und leben lässt.

Die Schattenseite dieser Konfliktvermeidung wird allerdings in der aktuellen anormalen Zeit besonders belastend. Beispiel Mund-Nasen-Schutz in den öffentlichen Verkehrsmitteln: jedes Mal, wenn ich die Tram oder den Bus nehme (und zwar wirklich jedes Mal), gibt es zumindest einen Fahrgast, der das Naserl noch immer nicht unter die Maske bringt oder gar meint, es ginge ja ganz ohne. Dem ist natürlich nicht der Fall, in drei Sprachen wird man alle paar Minuten auf die Pflicht, sich Mund und Nase zu bedecken, erinnert. Ich bin dann stets der Einzige, der freundlich darum bittet, die Maske aufzusetzen. Die anderen Fahrgäste sagen nichts. Dann kommt die interessante Standardantwort der Maskenverweigerer – ob man denn Polizist sei? Ein seltsames Verständnis von vernünftigen Regeln wie dieser, finde ich. Sollten wir die nicht im Eigeninteresse befolgen, um uns das Einschreiten des Schutzmannes zu ersparen?