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Mein Dienstag

Virologen, Intensivmediziner, Psychologen: Die Herrschaft der Gesundheitsexperten

CORONA: PK NACH TREFFEN DER BUNDESREGIERUNG MIT DEN LANDESHAUPTLEUTEN: KURZ / ANSCHOBER
Traten immer wieder mit "neuen" Experten vor die Kameras der Journalisten: Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober.APA/HELMUT FOHRINGER
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Jetzt gerade sind es wieder einmal Virologen und Epidemiologen, die den Ton angeben. Das war im Verlauf der Pandemie nicht immer so.

Schon interessant zu beobachten, wie sich im vergangenen Jahr die Bedeutung und daher auch die Medienpräsenz der jeweiligen „Gesundheitsexperten“ geändert haben. Ganz am Anfang, als man noch nicht viel über das Coronavirus wusste, waren Virologen, Labormediziner, Infektiologen und Lungenfachärzte die ersten Ansprechpersonen von Politikern und Journalisten. Wer Fragen zu Infektiosität, Inkubationszeit, Symptomatik, Diagnose und Testmöglichkeiten eloquent beantworten konnte, avancierte regelrecht zum Medienstar.

Dann kam der Frühling, und die Pandemie verlor ihren Schrecken – plötzlich schlug die Stunde der Psychologen und Spezialisten für öffentliche Gesundheit, die ausführlich darlegen durften, welche weitreichenden Kollateralschäden der Lockdown und die damit verbundene Isolation zur Folge haben würden. Im Sommer, als die Zahl der Neuinfektionen teilweise einstellig war, ging die Sorge mancher Allgemeinmediziner vor vernachlässigten Vorsorgeuntersuchungen so weit, dass sogar die bis dahin angeordneten Maßnahmen zur Kontaktreduktion infrage gestellt wurden.

Im Herbst spülte die zweite Welle Österreichs Intensivmediziner vor den Vorhang, die in Pressekonferenzen neben Kanzler und Gesundheitsminister sowie auf Titelseiten vor Kapazitätsengpässen in Spitälern warnten und Lockdown zwei einläuteten. Mit dem Rückgang der Intensivpatienten verschwanden auch sie wieder von der Bildfläche – und machten Platz für das Comeback der Virologen, die seither zusammen mit Epidemiologen erklären, wie wichtig Sequenzierungen und das rechtzeitige Isolieren einzelner Regionen sind. Denn mittlerweile sind es Mutanten, von denen die größte Gefahr ausgeht.

Expertisen, die von unschätzbarem Wert und höchst willkommen sind, die aber immer nur eine, manchmal recht enge Sichtweise einnehmen. Eine persönliche Erkenntnis, die zu den wichtigsten von 2020 gehört.

E-Mails an: koeksal.baltaci@diepresse.com