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Die Uni am Tablet serviert

(c) Clemens Fabry
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Die großen Universitäten in den USA haben es vorgemacht – nun wird auch in Österreich versucht, Lehrinhalte für Apples iPad aufzubereiten.

Als im Frühjahr Apple den ersten Tablet-PC auf den US-Markt brachte, war für viele Universitäten längst klar: Der flache Rechner ohne Tasten ist für ihre Studenten Skriptum, Bibliothek, Lageplan, Campus-Zeitung und Hörsaal in einem. Unis wie die Seton Hill und die George Fox University geben seither Erstsemestrigen ein kostenloses iPad mit auf den Weg und bieten sogar eigene Apps – kleine Zusatzprogramme – an, die mindestens Nachrichten liefern und in manchen Fällen sogar individuelle Semesterpläne erstellen.

In Österreich läuft die Beschäftigung mit Tablets an den Universitäten nur zögerlich an. Die Technische Universität Wien etwa hat noch gar keine Pläne in diese Richtung, wie „UniLive“ auf Anfrage erfuhr.

 

iTunes U als „Aushängeschild“

Anderenorts ist man da schon weiter. Zwischen der Technischen Universität Graz und der Universität Innsbruck ist in diesem Zusammenhang zuletzt sogar ein kleines Wettrennen entbrannt. Beide Unis haben im Sommer ihren Auftritt in iTunes U gestartet. Die Innsbrucker waren jedoch schneller, erzählt Josef Kolbitsch vom Zentralen Informatikdienst der TU Graz, nicht ganz ohne sich ein wenig zu ärgern.

iTunes U ist eine Art E-Learning-Plattform innerhalb des Musik- und Video-Shops von Apple. Universitäten bieten dort Lehrveranstaltungsmaterialien wie Präsentationen, Videos oder Podcasts (Tonaufnahmen) an. „Zuerst hatten die Professoren Angst, dass dann niemand mehr in die Vorlesungen kommt“, meint Kolbitsch im Gespräch mit „UniLive“. Genau das Gegenteil sei aber eingetreten– die Vorlesungen seien seither viel besser besucht, weil die Studenten nicht mehr mitschreiben müssen und sich viel besser auf den Vortrag konzentrieren können.

Eigentlich aber sieht Kolbitsch in iTunes U eher das „Aushängeschild“ der Universität. Das Angebot werde stark von externen Nutzern in Anspruch genommen. Für die Studenten soll es bald eine eigene App für Skripten geben („paragraph“). Eine Anwendung mit Raumplänen zur Orientierung an der Uni und eine eigene iPhone-Version der Uni-Homepage gibt es bereits. Viele Apps werden von den Studenten selbst entwickelt, denn die TU Graz bietet als erste Uni in Österreich eigene Lehrveranstaltungen zur Entwicklung von Apps an. Zu Beginn hätte es viele Skeptiker gegeben, erklärt Kolbitsch. Die Befürchtung war, dass eine Lehrveranstaltung dieser Art als Werbung für Apple verstanden werden könnte. Der ZID-Chef sieht das aber entspannt. Apps seien ganz generell die Zukunft der Internetnutzung, egal, auf welcher Plattform man sie nutzt.

Ob jetzt jeder Student ein iPad braucht? Kolbitsch ist eher skeptisch. Das iPad biete einen sehr einfachen Zugang zu komplexen Informationen, sei dadurch aber auch in den Möglichkeiten eingeschränkt. Wer sich technisch ein wenig auskennt, würde eher zu einem Laptop greifen, meint der ZID-Chef. In bestimmten Bereichen kann er sich jedoch durchaus einen wissenschaftlichen Einsatz vorstellen. In der Medizin etwa oder als Messgerät in Labors. Für Studenten könnte allerdings schon der hohe Preis ein Hürde sein. Das günstigste Modell ist um rund 500 Euro zu haben – mit mehr Speicherplatz und mobilem Internet per UMTS kostet das iPad schnell bis zu 800 Euro. Die Chancen, dass das iPad über die Notebook-Aktion der österreichischen Unis, U:Book, günstiger angeboten wird, schätzt Kolbitsch eher gering ein. 2011 werden zahlreiche andere Hersteller Tablets auf den Markt bringen – viele davon mit Googles Betriebssystem Android und auch einige zu günstigeren Preisen.

 

WU Wien im iPhone-Fieber

An der Wiener Wirtschaftsuniversität konzentriert man sich vielleicht gerade deshalb lieber auf die Weiterentwicklung der iPhone-App „WUdoo“. Derzeit sieht Mathias Frey von der WU noch keine Notwendigkeit, WUdoo auch für das iPad anzubieten. Das könne sich jedoch schnell ändern, wenn etwa Lehrunterlagen in die App eingebaut würden. Ende September wird die neue iPhone-App fertig sein, verrät er der „Presse“ – welche neuen „Features“ dann geboten werden, will Frey aber nicht vorwegnehmen.

Auf einen Blick

Die iPad-Euphorie erreicht die heimischen Universitäten nur zögerlich. Vorreiter sind die TU Graz und die Uni Innsbruck. Ob sich das iPad unter Studenten durchsetzen wird, bezweifeln die Experten allerdings.

Wenn Ende des Jahresauch andere Hersteller Tablets auf den Markt bringen, könnte sich die Situation ändern. Auch an der Wirtschaftsuniversität Wien wird bereits überlegt, wie man Inhalte für Tablets aufbereiten könnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2010)