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Romanistik

Das Italienische hinterlässt in vielen Ländern seine Spuren

Italienische Lehnwörter sind in Österreich weit verbreitet und gehen weit über Pizza und Pasta hinaus.
Italienische Lehnwörter sind in Österreich weit verbreitet und gehen weit über Pizza und Pasta hinaus.(c) Getty Images (Giorgio Perottino)
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Italienisch gilt anders als Spanisch oder Englisch nicht als Weltsprache. Doch der Einfluss des Italienischen auf andere Sprachen war und ist enorm. Ein österreichisch-italienisches Projekt macht Lehnwörter und ihre Verbreitung – weit über Pizza und Pasta hinaus – sichtbar.

Konto, Kassa, Mafia, Pizza, Tempo, Fiasko, Quarantäne oder Ghetto: Das sind nur einige Wörter, die im deutschen Sprachgebrauch selbstverständlich sind. Eigentlich stammen sie aber aus dem Italienischen. Irgendwann im Lauf der Geschichte haben wir sie von unseren südlichen Nachbarn übernommen und sie sind so üblich geworden, dass sie oft gar nicht mehr als Lehnwörter auffallen.

Die sogenannten Italianismen stehen im Mittelpunkt eines Forschungsprojekts, das am Institut für Romanistik der Universität Salzburg koordiniert wird. Matthias Heinz, Sprachwissenschaftler für Romanistik, hat das ursprünglich an der Universität Chemnitz von Harro Stammerjohann initiierte Projekt bei seiner Berufung mit nach Salzburg gebracht. Heinz hat schon in der Frühphase mitgearbeitet, als es um die Dokumentation der Italianismen in Deutsch, Englisch und Französisch ging. Das „Dizionario degli Italianismi nel Francese, Inglese e Tedesco“ ist 2008 in einer gedruckten Version erschienen, sechs Jahre später als digitale Datenbank. Seit 2014 arbeitet Heinz gemeinsam mit seinem Kollegen Luca Serianni von der Universität La Sapienza in Rom an einem Nachfolgeprojekt, das unter dem Titel „Osservatorio degli Italianismi nel Mondo“ die Einflüsse auf weitere Sprachen untersucht. Kürzlich wurden die Ergebnisse zum Polnischen, Ungarischen, Portugiesischen, Katalanischen und Spanischen bei einer Konferenz an der nationalen Sprachakademie Accademia della Crusca in Florenz präsentiert. Und mittlerweile untersucht Heinz mit einem internationalen Team auch Italianismen in anderen Sprachen – wie beispielsweise im Chinesischen.

 

Gspusi, Bassena und Salettl

Wie stark das Italienische auf andere Sprachen wirkt, zeigt sich an Zahlen: So haben die Forscher allein für Deutsch, Französisch und Englisch in akribischer Arbeit rund 5000 italienische Herkunftswörter aufgespürt, die sich in rund 9000 Wörtern der „Empfängersprachen“ wiederfinden. „Das Italienische ist in den meisten europäischen Sprachen sehr prägend“, erklärt Heinz: „Es ist neben Englisch die bedeutendste lebende Einzelsprache, die mit ihrem Wortschatz kulturelles Wissen weitergegeben hat.“

Geografische Nähe ist ein Faktor, der bei der Wanderung von einzelnen Begriffen von einer Sprache zur anderen eine Rolle spielt. Deshalb ist gerade das österreichische Deutsch voller Wörter, die ihren Ursprung im Italienischen haben. Oft geht es dabei um Alltagssprache. Salettl ist dafür ebenso ein Beispiel wie Gspusi, Bassena oder die wenig schmeichelhafte Bezeichnung „Katzlmacher“ für Gastarbeiter, die auf die italienische „cazza“, die Schöpfkelle, zurückgeht.

Eine erste große Welle der sprachlichen Wanderungsbewegung hat die Hochblüte der italienischen Renaissance ab dem 16. Jahrhundert gebracht. „In dieser Zeit hat es im Bereich der Musik und der Architektur einen starken Zuwachs an Begriffen aus dem Italienischen in vielen europäischen Sprachen gegeben“, berichtet Heinz. Allegro, andante, presto oder fortissimo sind nicht mehr wegzudenkende Italianismen in der Welt der Musik. Auch im Bereich des Finanzwesens hat das Italienische Spuren hinterlassen: Konto, Kassa oder Akonto sind bis heute gebräuchliche Beispiele.

Im 16. und 17. Jahrhundert sind vor allem Begriffe aus der militärischen Terminologie auf Wanderschaft gegangen – Gabione oder Armatur – ehe der aufkommende Tourismus für eine Verbreitung von gastronomischen Wörtern sorgte. Dabei seien auch „Pseudo-Italianismen“ entstanden, erzählt Heinz und nennt den im Englischen vorkommenden Frappuccino – eine Kombination aus Frappé und Cappuccino – als Beispiel. Heute seien es vor allem die kulinarischen Begriffe, die aus dem Italienischen in andere Sprachen übernommen werden – die Pizza ist längst auch in China ein Begriff.

 

Italienisch in Übersee

Dass die Migration ein starker Motor für sprachliche Wanderungsbewegungen ist, zeigen die Untersuchungen für das Projekt deutlich. Parallel zu den großen Auswanderungswellen vieler Italiener im 18., 19. und 20. Jahrhundert tauchen beispielsweise in Nord- und Südamerika vermehrt Lehnwörter aus dem Italienischen im Wortschatz des Englischen oder Spanischen in dieser Zeit auf.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.11.2021)