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Symbolbild: Wagen der Müllabführ
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Expedition Europa

Lieber bei der Müllabfuhr als Politikerin

Die einstige Bürgermeisterin Göteborgs ist froh, dem „toxischen Umfeld Politik“ entkommen zu sein. Den geringen Verdienst nimmt sie in Kauf.

Die Nachricht, dass eine ehemalige schwedische Spitzenpolitikerin nun als Lkw-Fahrerin bei der Müllabfuhr arbeitet, hat sich vor allem in oligarchisch regierten Ostländern wie ein Lauffeuer verbreitet. Ich zum Beispiel erfuhr es aus der montenegrinischen Zeitung „Vijesti“. Sogar Putin sprach von ihr.

Sie heißt Ann-Sofie Hermansson, war Bürgermeisterin der zweitgrößten schwedischen Stadt, Göteborg, und dort besuche ich sie. Uns verbindet, dass unsere Väter Lkw-Fahrer waren. Für den Fall, dass mich die Schreiberei nicht nährt, zahlte mir meiner den C-Führerschein, ihrer fuhr einen Sommer lang mit ihr im Lkw herum, und so bekam sie den Führerschein gratis.

Wir reden im Aufenthaltsraum der Müllabfuhr „Renova“, er ist schick und schön wie die Lobby eines Viersternhotels. Hermansson ist klein gewachsen und kurzhaarig, ihr Blick konzentriert, sie wirkt zäh. Sie treibt Sport, die Wartezeit zwischen Betriebsschluss und meiner Ankunft hat sie in der betrieblichen Kraftkammer überbrückt. Früher war sie Motorradfahrerin und graste mit ihrem damaligen Partner Europa ab, immer wieder mit Halt in einer Tiroler Pension. Sie wuchs auf einer Insel auf. Müsste sie nicht so früh raus, würde sie mit einer Fähre zur Arbeit fahren. Sie steht um 3.30 Uhr auf. Um 8.30 Uhr ist sie schon so hungrig, dass sie „in einer Arbeiterkantine zu Mittag“ isst, „das kommt mir entgegen, die kochen gut und viel, ich esse dort vor allem Fisch“. Um 21.00 Uhr geht sie schlafen. Sie ist froh, dem „toxischen Umfeld Politik“ entkommen zu sein.