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Management

Warum unsere Politiker an Corona gescheitert sind

Motorsäge oder OP-Besteck
Motorsäge oder OP-Besteckdpa/Boris Roessler
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Kolumne "Hirt on Management": Folge 165. Was ein Blinddarm mit politischen Entscheidungen zu tun hat.

Aus gegebenem Anlass (Im wievielten Lockdown sind wir jetzt? Ich habe, ehrlich gesagt, den Überblick verloren.), habe ich darüber nachgedacht, wie wir in diese idiotische Situation gekommen sind.

Aus meiner Sicht ist die Antwort recht einfach: systemische Inkompetenz verstärkt durch persönliche Inkompetenz der Akteure.

Politiker sind nämlich gewohnt (faule) Kompromisse einzugehen und irgendwie einen Mittelweg zu finden, der allen ein bisschen wehtut und die Sachfrage irgendwie mittelmäßig löst, bzw. so tut, als ob man sie löst, damit das Wahlvolk oberflächlich zufrieden gestellt wird.

Das ist aber leider nicht der Weg, wie man eine Pandemie in den Griff bekommt. Denn das ist nämlich eine Sachfrage.

Die erste Frage, die sich die von uns gewählten Entscheider nämlich hätten stellen müssen, ist, welche die zulässigen Problemlösungsmethoden für dieses Problem überhaupt sind.

Wenn ich nämlich mit dem falschen Werkzeug, in diesem Fall Denkwerkzeug, an ein Problem herangehe, dann kommt auf jeden Fall Mist heraus.

Das ist so, wie wenn ich versuche, mit einem Skalpell einen Baum abzusägen oder mit einer Motorsäge einen Blinddarm zu entfernen. In beiden Fällen werden die Ergebnisse unzufriedenstellend sein.

Auch sind Kompromisse zwischen dem Bund und den Ländern, den verschiedenen politischen Gruppierungen und den Interessensvertretungen usw. in einer Pandemie nicht die richtige Lösung.

Wenn ein Patient eine eitrige Blinddarmentzündung hat, dann kann man nicht den Kompromiss eingehen, nur den halben eitrigen Blinddarm zu entfernen, denn dann wird der Patient trotzdem sterben.

Wenn ich einen eitrigen Blinddarm habe, dann befrage ich meine Ärztin oder meinen Arztn, was ich tun soll, hole mir bei Bedarf noch von einem Professor oder Professorin eine zweite Meinung ein, dann treffe ich eine Entscheidung und setze diese konsequent um.

Ich rufe dazu nicht meine nähere und weitere Familie zusammen und noch ein paar Freunde, veranstalte eine große Konferenz, von lauter Leuten deren Medizinkenntnisse von Dr. Google kommen und lasse dann die Mehrheit, oder die, die am lautesten schreien, über mein Schicksal entscheiden. Ich bin doch nicht lebensmüde!

Der ehemalige Boxer Hansi Orsolic hat es auf den Punkt gebracht, als er eine Bilanz seines „potscherten Lebens“ zog: „I hob valuan, wie nur ana valiern kann, der a Herz statt an Hirn hat.“

Das Problem mit Corona ist, dass es hier nicht um ein paar Watschen und ein paar Bier zu viel geht, sondern um das Leben von Zehntausenden Menschen und das Schicksal von hunderttausenden Familien.

Da wird einem Angst und Bange, vor diesen Leuten muss man in Deckung gehen.

 

Das Wichtigste in Kürze

Die erste Frage, die ich mir, bevor ich ein Problem angehe, stellen muss, ist, welche überhaupt die zulässigen Problemlösungsmethoden für dieses Problem sind.

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns mit weiteren Sabotagemethoden für Managerinnen und Manager.

In „Hirt on Management“ beantwortet Michael Hirt, Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor alle 2 Wochen Fragen von ManagerInnen zu herausfordernden Situationen und kritischen Managemententscheidungen.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 16. Dezember zum Thema „Sabotage für Fortgeschrittene – Teil 2“.

 

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

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