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Wiener Ansichten

Wildganshof: Was der pflügende Bauer verschweigt

1939 an der Nordwestfassade des Wildganshofs platziert: Terrakottarelief von Alfons Riedel (1901-1969).wf
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Ein Terrakottarelief am Gemeindebau und eine verschwundene Schrift: Landstraßer Nachrichten.

Von den Verwerfungen der Geschichte war an dieser Stelle jüngst die Rede und von den 1934, anlässlich ihrer Errichtung, in der „Gefallenen-Gedächtniskrypta“ des Burgtors versteckten Botschaften, die knapp acht Jahrzehnte später eine Untersuchung zutage brachte: die daselbst seit Längerem vermutete NSDAP-Huldigung des Bildhauers Wilhelm Frass, nebstbei allerdings, und durchaus unvermutet, eine heimlich beigefügte Friedensbotschaft eines seiner Mitarbeiter, Alfons Riedel. So ging alsbald die Frage um, wer denn dieser bis dahin weithin unbekannte Herr Riedel wohl gewesen sei.

Und apropos Verwerfungen: Da hat Riedels Vita viel Zeittypisches zu bieten. 1901 in Wien geboren und an der hiesigen Kunstakademie ausgebildet, sah ihn die Arbeit im Burgtor als Auftragnehmer desselben austrofaschistischen Ständestaats, dessen Verfolgung er als Sozialdemokrat fürchten musste, andererseits fand er sich wenig später, in der ersten Ausstellung des Künstlerhauses nach dem „Anschluss“, flugs unter jene Nazi-genehme Künstler subsumiert, deren Werk „echt deutsches Kunstfühlen“ verriet. Nach Kriegsende wiederum diente Riedel, 1941 der NSDAP beigetreten, dem sozialdemokratischen Nachkriegswien geradeso, wie er davor Ständestaat und Großdeutschem Reich gedient hatte: mit allerlei Kunstzugaben zum öffentlichen Raum.