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Sportlogistik

Mit der Zeit im Nacken

Entladung von Olympia-Equipment in Peking durch die Kühne+Nagel-Logistik-Crew.
Entladung von Olympia-Equipment in Peking durch die Kühne+Nagel-Logistik-Crew.[ Kühne + Nagel]
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Transporte für den Spitzensport sind mit großem Termindruck verbunden. In Peking gab es zusätzliche Herausforderungen.

Eine positive Bilanz zog ÖOC-Generalsekretär Peter Mennel aus den Olympischen Spielen in Peking. Mit einer Ausbeute von insgesamt 18 Medaillen waren es die zweiterfolgreichsten Spiele nach jenen von Turin 2006. Und neben den sportlichen Lorbeeren gab's auch organisatorisch Erfreuliches. Der Großteil der Logistik-Leistungen wurde diesmal von einem chinesischen Partner erbracht – und das zur Freude von Mennel besonders günstig: „Alles hat bestens funktioniert, und es kostete uns einen Bruchteil im Vergleich zu einer europäischen Spedition“, resümierte er zufrieden in Peking.

Einen Teil des Materials brachte der chinesische Partner per Luftfracht nach Peking. Die Maschine für das Service der Skier, Schleifmaschinen für die Rodler und andere schwere Gerätschaften gingen per Schiff nach China. Heimische Auftragnehmer kamen aber ebenfalls zum Zug: Die 55 Skier des österreichischen Teams wurden quasi als Reisegepäck in einem Charterflug der AUA nach Peking transportiert. In der Kabine saßen Sportler und Betreuer, im Gepäckraum lagen sicher verpackt die Sportgeräte, berichtet Mennel. Die Umstände vor Ort waren für die Logistiker diesmal besonders herausfordernd, erzählt Jörn Schneemann, Leiter Eventlogistik bei Kühne + Nagel. Das Unternehmen agierte als Logistik-Partner für das deutsche Olympia-Team und für mehrere europäische TV-Stationen. „Üblicherweise gibt es vor Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften Events, bei denen man ein Jahr zuvor die logistische Infrastruktur testen kann. Das war diesmal nicht möglich“, berichtet Schneemann. Erst im Dezember des Vorjahres kam ein Playbook heraus, das über die Rahmenbedingungen für die Logistiker und vor allem über die Sicherheitsvorkehrungen informierte, mit denen China eine Ausbreitung des Coronavirus verhindern wollte. „Diese späte Information machte den Zeitplan besonders schwierig“, erzählt er.

Logistiker in der Bubble

Rund zweihundert Tonnen an Material hat das Team von Kühne + Nagel für Sportler und Fernsehleute nach Peking und von dort weiter zu den Sportstätten gebracht. Der Großteil davon wurde per Luftfracht mit der Lufthansa transportiert, weil die Fluglinie einen umweltfreundlichen Transport mit grünem Kerosin garantieren konnte, wie Schneemann betont. In Peking selbst erschwerten pandemiebedingte Einschränkungen die Arbeit der Logistiker: Nicht nur Menschen, auch die Ausrüstung musste auf Corona getestet werden, erst dann konnte sie zu den rundum abgeschlossenen Veranstaltungsorten geliefert werden.

Zu diesen Bubbles hatten nur ausgewählte und akkreditierte Personen Zugang. Die eigene Niederlassung von Kühne + Nagel in Peking erleichterte die komplexe Abwicklung, sagt Schneemann. Wobei die aus Europa entsandten Mitarbeiter vor Ort auch allein weiterwussten: „Die Kollegen haben sich mit Übersetzungsapps am Handy geholfen. Das ging sehr gut“, erzählt er. Die Erfahrungen bei dieser Mission werden Schneemann und sein Team schon in wenigen Tagen wieder nützen können: Kühne + Nagel ist auch Partner für das deutsche Paralympics-Team. Für diese Ende nächster Woche in Peking beginnenden Winter-Paralympics kommt für das österreichische Team DB Schenker zum Einsatz. Die Ausrüstung der Paralympics-Teilnehmer geht in diesen Tagen mit Air China per Luftfracht nach Peking, wo alles für die Verteilung vorbereitet ist, erzählt Martin Kroissenbrunner, verantwortlich für Messe-Events bei DB Schenker in Österreich: „Vor Ort sorgt ein Team aus der Event-Abteilung für die Zustellung zu den Olympic Villages und zu den Veranstaltungsorten.“

Erfahrung im Ski-Weltcup

Kroissenbrunners Mannschaft hat mit dem Skisport viel Erfahrung, denn Schenker ist exklusiver Logistikpartner des ÖSV für den Skiweltcup. Auch das ist eine spannende Aufgabe: „Herausforderung sind die kurzen Zeitfenster zwischen den Events“, berichtet er. Wichtig für den Spediteur seien ein gutes Netzwerk und die Zusammenarbeit mit verlässlichen Fluglinien. Und man muss sich zu helfen wissen: Während der Pandemie, als der Frachtraum in Passagiermaschinen fehlte, baute Schenker ein eigenes Netzwerk mit Charterflügen auf, das auch für die ÖSV-Transporte genutzt wurde. Extraleistungen sind bei diesem Geschäft notwendig: „Die Fracht muss termingerecht fliegen, denn eine zweite Chance gibt es in der Regel nicht“, sagt Kroissenbrunner zum Termindruck in der Sportlogistik.