Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Ein Hauswein muss nicht gut sein, er darf nur nicht schlecht sein.
Premium
Lebensart

So ärgert man die Winzer

Was ich über portugiesische Reben weiß, habe ich von Erntehelfern gelernt und von Bauern, die ihren Wein aus Pappbechern trinken, mit Käse und Wurst. Unter anderem: Es gibt tatsächlich großartige Weine aus Lissabon

Ein Rätsel. Zumindest scheint es so: Der Weinpreis in Portugal ist, im Vergleich zum Rest der Welt, unschlagbar. Warum? Warum zahlt man überhaupt in einem Pariser Bistro 50 Euro für eine Flasche? Und über 30 Euro in den Tavernen der spanischen Hauptstadt? In London kostet Wein noch mehr, zu viel nämlich, in New York viel zu viel, und dasselbe gilt für alle Länder, in denen kein Wein gemacht wird, oder schlechter Wein, was das Gleiche ist.

Am teuersten ist er freilich in Skandinavien, weil die beim Trinken nicht selbst auf sich aufpassen können und eine Regierung brauchen, die das tut. Um 1800 war fast jeder Schwede branntweinsüchtig, der reinste Kollektivsuff. Das harte skandinavische Klima und das Fehlen eines seichten Volksgetränks wie Bier oder Wein sollen daran schuld gewesen sein. Die Folge: Abstinenzbewegung, Importzentralisierung, Steuern. Am höchsten in Norwegen, am niedrigsten in Dänemark. Die Folge: Die Norweger saufen in Schweden und die Schweden in Dänemark.

Also warum ist der Wein nun in Portugal so billig? Portugal wurde, aufgrund der am längsten andauernden Diktatur Westeuropas durch António de Oliveira Salazar 45 Jahre lang planwirtschaftlich unterdrückt, danach kam ein EU-Beitritt, der sehr nett gemeint war, aber dazu führte, dass mit den Krediten, die das Land fluteten, eine Nachfrage stimuliert wurde, der die eigene Produktion nicht imstande war nachzukommen. 2011 dann ein Jahrhundertjahrgang – aber auch eine Weltwirtschaftskrise, die Portugal, das am Rande Europas eh fast in den Atlantik fällt, noch näher an den Abgrund drängte. Das portugiesische „Selbstbewusstsein“, wenn man das nach dem Verlust eines Weltreichs und dem Erdbeben von 1755 noch so nennen darf, lag am Boden. Es ging ums Überleben – und um Fado. Selbstvermarktung und Förderung nationaler Produktionen standen nicht auf der Agenda.

Im Stillen konnte man eigene Weine trinken, ohne sie zu exportieren und von einem Weltmarktpreis abhängig zu machen, der in den seltensten Fällen die Lebenshaltungskosten eines Landes reflektiert.