Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

„Lengenfeld soll als Lebensort der Künstler- und Sammlerfamilie Hauer-Fruhmann präsentiert werden“: So steht es im Grundbuch.
Premium
Architektur

Schloss Lengenfeld: Das Fest ist vorbei

Nahe Krems liegt das Schloss Lengenfeld, wo einst regelmäßig Kunst und Kultur gefeiert wurden. Die Letztbesitzer vermachten es dem Land Niederösterreich, das jedoch nicht deren Wunsch entsprach, es weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich zu halten. Jüngst wurde es verkauft – und was passiert nun?

Der Sommerausklang ist die ideale Zeit, um die Gegend rund um Wien zu durchstreifen. Nicht mehr zu heiß, aber bei prächtigem Wetter fährt, wandert oder läuft man umher und landet unvermutet an einem Ort, der an die Kindheit erinnert. Nördlich von Krems und östlich von Langenlois liegt Lengenfeld, und mittendrin, direkt an der Hauptstraße, verfügt das lang gestreckte Straßendorf über ein Renaissanceschloss. Die zufällige Begegnung mit den zwei in den Straßenraum ragenden runden Wehrtürmchen mit „Hexenhutdach“ weckt die Reminiszenz an Festivitäten in den 1970er-Jahren, zu denen die Eltern eingeladen und auch Kinder willkommen waren. Wie oft waren wir dort, zwei-, dreimal? So genau weiß ich es nicht mehr, aber dass es rauschende Feste waren, die das Künstlerehepaar Christa Hauer und Johann Fruhmann veranstalteten, ist mir erinnerlich.

Ein Blick über den Zaun offenbart, dass sich hier nicht wie früher im „Freilichtzoo“ Katzen, Esel und Pfaue, sondern nun eher wilde Tiere vergnügen; ungestört von zivilisatorischen Eingriffen, liegt der Garten brach mit seinen satt grünen, üppigen Wiesen zu beiden Seiten des Lengenfelder Baches, der parallel zum Schloss das Grundstück quert. Was dem Naturgarten guttut, ist der Bausubstanz weniger zuträglich, und so verwundert es nicht, dass die Fassaden der Anlage etwas mitgenommen aussehen. Allerdings verleiht Fruhmanns Sgraffito aus dem Jahr 1974 an zwei Seiten dem Gebäude eine speziell würdevolle Patina.

Das Gebäude über quadratischem Grundriss ist an allen vier Seiten geschlossen und hat einen Innenhof mit Arkaden im Erdgeschoß und einen Laubengang im Obergeschoß. Flankiert wird es von den vier Rundtürmen mit spitzem Kegeldach, die ungewöhnlich, weil niedriger als das Schloss und mit diesem nicht verbunden sind, da die Ringmauer im 19. Jahrhundert abgetragen wurde. Sie wirken als historische Wehrtürme ungeeignet, durch ihre „Putzigkeit“ jedoch umso charmanter. Und à propos Putz, der blättert ab: sowohl von den Türmchen als auch vom Gebäude.