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Management

Wie Familienunternehmen Generationen überdauern

Ein ganz besonderes Familienunternehmen
Ein ganz besonderes FamilienunternehmenAPA/AFP/DANIEL LEAL-OLIVAS
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Kolumne "Hirt on Management": Folge 184. Wie Sie Ihr Familienunternehmen durch stürmische Gewässer manövrieren. Teil 4.

In dieser mehrteiligen Reihe lernen Sie die Strategien führender Familienunternehmen kennen, die seit Generationen erfolgreich sind.

Diesmal geht es darum, was die führende, globale Business School INSEAD zur Führung von Familienunternehmen zu sagen hat.

Ihr Kolumnist war vor wenigen Tagen am INSEAD in Fontainebleau (F) und hat dort im Rahmen des Family Enterprise Day eine Fallstudie eines seiner Klienten präsentiert.

Anschließend wurden die wesentlichen Lektionen aus den dort präsentierten Fallstudien in einer Plenardiskussion der Konferenz besprochen. Hier ein paar interessante Punkte, die dabei hervorgetreten sind:

Deutliche längere Vorausplanung erforderlich

Familienunternehmen erfordern grundsätzlich viel längere Planungszyklen, als andere Unternehmen. Wenn man, z.B. die Nachfolge in einem Familienunternehmen erfolgreich umsetzen möchte, dann sollte man mindestens zehn Jahre voraus denken.

Aktive Kommunikation und kontinuierlicher Dialog

Es ist wichtig, dass es eine aktive und regelmäßige Kommunikation & Dialog zwischen den Familienmitgliedern, seien sie Gesellschafter oder Mitarbeitende im Unternehmen, gibt.

Diese Kommunikation muss aktiv gefördert werden, man kann sich nicht darauf verlassen, dass heikle Themen automatisch oder von allein angesprochen werden. Wenn die Dinge einmal eskalieren, ist es meist schon sehr schwierig eine vernünftige Lösung zu finden.

Courtoisie und Umgangsformen

Gute Umgangsformen, Freundlichkeit und Diplomatie leisten einen sehr wichtigen Beitrag zum guten Umgang in der Familie und im Familienunternehmen und sollten nicht geringgeschätzt oder unterschätzt werden.

Vorhersehbares vorhersehen

Vorhersehbare Herausforderungen, Probleme und Krisen sollten vorhergesehen werden und es gilt, schon bevor diese Situationen eintreten, über Lösungsansätze, Lösungswege und Lösungen nachzudenken.

Krisen nutzen

Krisen des Unternehmens sollten genutzt werden, um das Unternehmen, Familienbeziehungen und Familienmitglieder weiter zu entwickeln, auf die nächste Ebene zu bringen, sowohl im Umgang miteinander als auch strategisch.

Vorsicht zerbrechlich!

Familienunternehmen sind, aufgrund ihrer komplexen und vielschichtigen Struktur, prekäre Gebilde und es wird oft von vielen Beteiligten unterschätzt, wie leicht es durch dysfunktionales Verhalten ist, das Unternehmen in eine Schieflage zu bringen. Das ist übrigens einer der Hauptgründe, warum Familienunternehmen in die Hände von Private Equity-Investoren o.ä. gelangen.

Treuhänderisches Denken und Handeln über Generationen erforderlich

Eine sehr hilfreiche Haltung für die Führung von Familienunternehmen ist, dass man sich nicht als der/die Eigentümer*in des Unternehmens sieht, auch wenn man gerade zurzeit rechtlich die Anteile daran hält, sondern als ein*e Treuhänder*in, dem*r das Unternehmen nur für eine gewisse Zeit anvertraut ist, und der/die die zentrale Aufgabe hat, es zu erhalten und auszubauen, damit es an die nächste Generation (und dann viele weitere Generationen) weitergegeben werden kann.

Wenn man nicht so denkt, sondern sich nur für seine eigenen Ziele und Interessen einsetzt und nicht über den Tellerrand hinausschauen kann, wird man das Familienunternehmen schnell zu Grunde richten, auch weil diese Haltung, auch wenn sie nicht einmal ausgesprochen wird, auch die nächsten Generationen negativ beeinflusst und demotiviert sich, für das große Ganze einzubringen und einzusetzen.

Das Wichtigste in Kürze

Kernelemente für die erfolgreiche Führung von Familienunternehmen sind: Langfristige Vorausplanung, proaktive Kommunikation und kontinuierlicher Dialog, Courtoisie und Umgangsformen, Vorhersehbares vorhersehen, Krisen zur Weiterentwicklung nutzen, Vorsicht und behutsames Handeln, sowie Treuhänderisches Denken und Handeln über Generationen.

 

In der nächsten Kolumne beschäftigen wir uns damit, wie Sie damit umgehen, wenn Sie Führungskräfte führen, die zwar gute Ideen haben, aber bei deren Umsetzung schwach sind.

Schicken Sie Ihre Fragen an Michael Hirt an: karrierenews@diepresse.com

Die Fragen werden anonymisiert beantwortet.

Ausblick: Die nächste Kolumne von Michael Hirt erscheint am 6. Oktober 2022 zum Thema: „Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Hier finden Sie die gesammelten Kolumnen.

Michael Hirt ist Managementexperte und -berater, Executive Coach, Keynote Speaker und Buchautor. Hirt verhilft Führungskräften zu außergewöhnlichen Leistungs- und Ergebnissteigerungen, mit hoher Auswirkung auf den Erfolg ihres Unternehmens. Er studierte in Österreich, den USA (Harvard LPSF) und Frankreich (INSEAD MBA) und ist weltweit tätig.

Gastkommentare und Beiträge von externen Autoren müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.