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Premiere

Champions-League-Aufstieg: Glasners Zauber mit Frankfurt

Frankfurts Jubel
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Unter Oliver Glasner erreicht die Eintracht neue Sphären. Dem Triumph
in der Europa League folgt nun der erstmalige Einzug ins Achtelfinale – mit Drama, ohne Party.

Frankfurt/Wien. Das Jahr 2022 wird in die Klubgeschichte der Eintracht Frankfurt als historisches eingehen. Auf das spektakuläre Frühjahr mit Siegen beim FC Barcelona und dem erstmaligen Triumph in der Europa League folgt ein Herbst mit dem historischen Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Mittendrin Oliver Glasner. „Wahnsinn“ und „unglaublich“ waren die Worte, mit denen der oberösterreichische Trainer nach dem entscheidenden 2:1-Sieg bei Sporting Lissabon versuchte, die Dimension des Erfolgs zu beschreiben.

Die Frankfurter bewiesen einmal Comeback-Qualitäten, denn in der ersten Halbzeit spielten sie wie schon zum Auftakt gegen die Portugiesen (0:3) schlecht und lagen durch einen Treffer von Arthur Gomes (39.) zurück. Doch Daichi Kamada (62./Handelfmeter) und Randal Kolo Muani (72.) drehten mit ihren Treffern das Spiel. „Wenn du dann diesen Willen, diesen Glauben, diese Leidenschaft zeigst, dann hast du auch mal das Spielglück mit dem Elfmeter“, sagte Glasner und geriet regelrecht darüber ins Schwärmen, „was die Spieler einfach immer wieder leisten, wie sie auch mit Rückschlägen immer wieder umgehen“. Wer im Sommer 2021 seinen Wechsel von Wolfsburg nach Frankfurt noch hinterfragt hatte, wurde nun eines Besseren belehrt, denn der akribische Arbeiter führt die Eintracht in neue Sphären. Den „unglaublichen Spirit“ der Mannschaft hob auch Sportvorstand Markus Krösche hervor.

Glückliches Händchen

Große Feierlichkeiten genehmigte der Trainer dennoch nicht. „Die Jungs wissen es noch nicht, aber es gibt keine Feier heute“, sagte der 48-Jährige, und mit Blick auf die ausstehenden drei Partien bis zur Winterpause: „Wir ziehen das jetzt durch bis Mainz. Ich habe aber einen Bonus für die Spieler: Im Januar dürfen sie einen Tag später mit dem Training beginnen.“

Auf dem Rasen feierten die Spieler, auf den Rängen die 2500 mitgereisten Fans. Die Eintracht hätte noch deutlich mehr Tickets absetzen können, doch Sporting bremste den Verkauf, um eine „Übernahme“ wie in Barcelona in der Europa League (30.000 sorgten für ein Heimspiel im Camp Nou) zu verhindern. Die Auserwählten besangen auch lautstark Glasner, dessen glückliches Händchen maßgeblich zur Wende beigetragen hatte. Zur Pause wechselte er Sebastian Rode ein, dem 45 Minuten reichten, um die meisten Zweikämpfe zu gewinnen und als Spieler des Spiels ausgezeichnet zu werden. Die innige Umarmung von Kapitän und Trainer stach aus all den emotionalen Momenten nach Abpfiff dann auch ins Auge. Rode habe „das Ruder in die Hand genommen“, lobte Glasner.

Frankfurt schreibt also weiter an seiner wundersamen Geschichte in Europa, nur das letzte Kapitel ist noch nicht absehbar. In der Auslosung für das Achtelfinale am kommenden Montag sind Spiele gegen europäische Schwergewichte fast garantiert. „Jetzt gibt es nur noch ganz große Kaliber und Weltstars, die da kommen“, sagte Kapitän Sebastian Rode. Man sei Außenseiter, aber müsse seine Chancen eben nutzen – wie etwa Villarreal, das auf dem Weg ins Halbfinale Juventus und Bayern ausschaltete. „Sie haben es vorgemacht“, erinnerte Rode. „Top 16 in Europa, und irgendwie so auf leisen Sohlen so ein verträumtes Villarreal – das ist etwas, was ich mir durchaus vorstellen kann“, sagte auch Vorstandschef Axel Hellmann.

9,6 Millionen Euro gibt es von der Uefa für den Einzug in die K.o.-Phase. Viel Geld, von dem die Frankfurter auch im nächsten Sommer wieder einiges verwenden dürften, um ihre Mannschaft zu erneuern. Im Vergleich zum erfolgreichen Europa-League-Finale vor wenigen Monaten standen in Lissabon nur noch sechs der damaligen Spieler in der Startelf. Außerdem stehen Profis wie Kolo Muani, Jesper Lindström oder Kamada längst in den Notizblöcken größerer und finanzstärkerer Klubs. Aber das kennt die Eintracht. Trotzdem jagt sie weiter mit einer ebenso trotzigen wie wundersamen Art durch Europa.

(red)