Mein Montag

Das sind doch alles nur Tachinierer

Interessant: Kaum jemand nennt Koalas Tachinierer.
Interessant: Kaum jemand nennt Koalas Tachinierer.APA/AFP/BERND LAUTER
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Wo das alte Wort, das gern für faule Menschen verwendet wird, tatsächlich herkommt.

Faul zu sein ist ja eher schlecht beleumundet. Dementsprechend klingen Bezeichnungen wie Faulenzer, Nichtsnutz oder Tagedieb negativ. Gerade in Österreich wird aber oft ein ganz anderer Begriff ausgepackt, wenn man jemandem mangelnde Leistungsbereitschaft unterstellt – man spricht dann von einem Tachinierer. Kennen Sie, oder? Aber wenn Sie jemanden des Tachinierens zeihen, wissen Sie eigentlich, was hinter diesem Begriff steckt? Das „Österreichische Wörterbuch“ definiert den Tachinierer als jemanden, der sich vom Arbeiten drückt. Und kennt auch die – scherzhaft verwendete und schon veraltende – Bezeichnung der Tachinose als scheinbar medizinischen Ausdruck dafür. Die Ähnlichkeit zur Tachykardie, also dem Herzrasen, dürfte allerdings nur eine zufällige sein. Noch dazu, da das altgriechische „tachys“ ja sogar schnell bedeutet.

Allerdings gibt es sehr wohl die Deutungsmöglichkeit, dass das Tachinieren genau von dort kommt – weil nämlich im Ersten Weltkrieg viele junge Männer versuchten, sich bei der medizinischen Untersuchung dem Wehrdienst zu entziehen. Indem sie eben Herzrasen vortäuschten, meist durch den Genuss von schwarzem Kaffee vor der Untersuchung. Dass die Soldatensprache daraus das Tachinieren gemacht hat, wird aber heute als eher unwahrscheinlich betrachtet. So wie auch die Vermutung, dass es sich um eine Herleitung vom tschechischen „tahnouti se“ handelt, also sich ziehen, was im übertragenen Sinn auch sich fortpacken oder sich trollen bedeuten könnte. Die Variante, die derzeit als die wahrscheinlichste angenommen wird, ist die Herkunft aus dem Rotwelsch, der Gaunersprache. Dort gibt es den Tarchener, den Bettelbetrüger. Und der soll letztlich zum arbeitsscheuen Tachinierer geworden sein.

Oh, ist die Kolumne schon fertig? Dann entschuldigen Sie mich, ich widme mich jetzt dem Müßiggang.

E-Mails an:erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.01.2023)


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