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Nach Kritik: Darabos setzt seinen Generalstabschef ab

Wehrpflicht Darabos feuert Generalstabschef
(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Zuerst musste er zum Rapport, dann wurde er abberufen: Edmund Entacher ist das erste prominente Opfer der Debatte um die Heeresreform.

Die harte Kritik an der geplanten Abschaffung der Wehrpflicht hat Generalstabschef Edmund Entacher seine Funktion gekostet. Der 61-Jährige wurde am Montagabend von SP-Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) abberufen. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Zweiten Republik, dass ein Verteidigungsminister diesen Schritt setzt.

Kurios: Entacher war Montagmittag bei Darabos zum Rapport geladen und berichtete später von "einem freundschaftlichen Gespräch". Zudem erklärte er, dass er am Dienstag zu einer Dienstreise nach Brüssel aufbrechen werde. Am Montag, kurz vor 19.30 Uhr, fiel dann die Entscheidung für Entachers sofortige Absetzung, wie Stefan Hirsch, der Sprecher des Verteidigungsministers, erklärte. Darabos hätte zuvor aber "stundenlang versucht", eine gemeinsame Lösung zu finden.

>> Edmund Entacher: Ein treuer roter General im Portrait

Nach den Gründen für Entachers Abberufung muss nicht lange gesucht werden: Der Generalstabschef hatte in einem am Wochenende veröffentlichten "profil-Interview" die Pläne für eine Abschaffung der Wehrpflicht scharf kritisiert - "und sich damit von seinen eigenen Zahlen distanziert", erklärte Darabos am Montagabend.

Hintergrund: Der Verteidigungsminister hatte Entacher mit der Erstellung von sieben Wehrsystem-Modellen beauftragt, wobei das von Darabos favorisierte Freiwilligenheer mit einer starken Miliz besser bewertet worden sei (Note 1,5) als das bestehende System (Note 2,1). Dennoch übte Entacher nach der Veröffentlichung in dem Interview scharfe Kritik an den Plänen des SP-Ministers, die Wehrpflicht abzuschaffen.

"Vertrauensverlust" als Grund

"Durch diese öffentlichen Aussagen und den dadurch entstandenen Vertrauensverlust sah ich mich heute im dienstlichen Interesse veranlasst, den Generalstabschef abzuberufen", erklärte Darabos am Montag. "Ich habe daraufhin den stellvertretenden Generalstabschef, Generalleutnant Othmar Commenda, mit der Wahrnehmung der Aufgaben des Chefs des Generalstabes betraut."

In der SPÖ-Bundesparteizentrale gab man sich wortkarg. Ein Sprecher erklärte lediglich: "Die SPÖ steht klar hinter der Entscheidung des Verteidigungsministers."

Entacher: Ruhestand oder "neue Verwendung"?

Wie geht es für Edmund Entacher beruflich weiter? Aus dem Verteidigungsministerium hieß es am Montagabend, Entacher sei aufgrund von Vertrauensverlusten nach §40 des Beamten-Dienstrechtsgesetzes abberufen worden. Das bedeute, dass er ab sofort nicht mehr seine Funktion innehat und der Dienstgeber nun zwei Monate Zeit habe, Entacher "einer neuen Verwendung zuzuweisen", erklärte der Sprecher des Verteidigungsministers. Entacher hätte in diesen zwei Monaten aber auch die Möglichkeit, sein Ruhestandsansuchen einzureichen, hieß es.

(Red.)