Der österreichische Beitrag zur Architekturbiennale in Venedig zielte heuer darauf ab, den Bewohnern der Umgebung die Hälfte des Pavillons für eigene Initiativen zu überlassen. Daraus wurde nichts: Weder durfte die Trennmauer geöffnet noch eine Brücke installiert werden.
Es sind stille, breite Straßen hinter dem größten Park Venedigs, kaum beachtet vom Massentourismus, der die Stadt zwischen Bahnhof und Markusplatz so zerzaust: Sant'Elena ist der östlichste Teil der Stadt, durch den kleinen Giardini-Kanal getrennt vom Rest der Stadt, bebaut erst vor hundert Jahren. Hier reparierten die städtischen Verkehrsbetriebe früher ihre Vaporetti, feiern Fußballfans im kleinen Stadion; in einer Marineschule werden Kadetten auf ihre Karriere zur See vorbereitet.
Wie in jeder italienischen Stadt treffen sich die Bewohner des Viertels in der Bar an der Ecke unter den riesigen Bäumen des Parco delle Rimembranze. Er ist Erweiterung des großen von Napoleon angelegten Gartens auf der anderen Seite des Kanals, der heute von der Biennale besetzt ist. Dort drüben, in den Giardini Pubblici, war die Keimzelle der riesigen Kunstmaschine, die heute Venedig beherrscht: Der Palazzo dell'Esposizione, heute zentraler Pavillon, wurde 1895 eröffnet und wucherte später durch allerlei Anbauten in den ursprünglich öffentlichen Park; bald darauf entstanden die ersten Länderpavillons, und so wurde immer mehr Grünfläche der Allgemeinheit entzogen.

1932 kam ein weiterer Bereich zum Ausstellungsgelände dazu: Nun übersprang die Kunstausstellung den Giardini-Kanal, entzog ihn den Bewohnern von Sant'Elena, ein Streifen des Parco delle Rimembranze wurde ummauert. Hier, in weitester Entfernung zum Besuchereingang, steht auch der österreichische Biennale-Pavillon von 1934. Ausgesperrt sind damit aber die Bewohner von Sant'Elena, ihnen kehrt die Biennale den Rücken, obwohl sogar einige teils vermauerte Türen die Mauer perforieren. Hinter dem österreichischen Pavillon liegt ebenfalls eine solche Tür, und sie war Inspiration für das 17-köpfige Architektenkollektiv AKT, das den diesjährigen Beitrag konzipierte: die Öffnung der Biennale zur Stadt, zu den Einwohnern.