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Point-of-View: Heldenvideos aus der Ich-Perspektive

PointofView Heldenvideos IchPerspektive
(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ M. Oberlaender)
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Point-of-View-Kameras lassen sich einfach auf Helm oder Lenker montieren und sind bei jeder Tour dabei. Der spannende Actionfilm bleibt aber trotzdem eine Herausforderung.

Für die Zuseher ist es fast so, als würden sie selbst den schmalen Waldweg hinunterrasen oder abseits der Piste mit dem Raceboard über Felsen springen. Denn mittels sogenannter „Point of View“-Kameras werden Heldentaten aus der Ich-Perspektive aufgenommen. Weltklassevideos entstehen dabei freilich ebenso wenig wie spannende Filme – dennoch ist die Qualität der kleinen, robusten Kameras, die sich nahezu überall montieren lassen, erstaunlich gut, und viele von ihnen bieten sportliche Extras, die man sonst bei Kameras vergeblich sucht.

GPS? Nett, aber nicht notwendig. Die Oregon Scientific ATC 9000 verfügt zum Beispiel über einen Beschleunigungssensor und kann mit einem GPS-Modul aufgerüstet werden. Letzteres hat die ContourGPS bereits an Bord. Damit wird während des Filmens auch die zurückgelegte Strecke aufgezeichnet. Ein nettes Detail, das beim Betrachten allerdings spezielle Software erfordert. Sie wird mitgeliefert. Dass neben dem Video auch eine Karte und das Beschleunigungsprofil eingeblendet sind, ist bei kurzen Clips von der letzten Downhill-Tour witzig, für geschnittene Filme vom Action-Urlaub jedoch unbrauchbar, da mit jedem Schnitt natürlich die Verknüpfung von Bildspur und aufgezeichneter Strecke verloren geht und sich die Karte etwa auf Fernsehern nicht darstellen lässt.


Herausforderung Actionfilm. Überhaupt ist es gar nicht so einfach, mit einer Actionkamera ein spannendes Video von einem sportlichen Ausflug zu drehen. Montiert man nämlich das gute Gerät beispielsweise nur auf den Motorradhelm und fährt los, ist das Ergebnis schlicht ein Video von der Straße. Um hier ein wenig Spannung hineinzubringen, braucht es Aufnahmen aus verschiedenen Perspektiven. Wer nur eine Kamera hat, muss folglich ein und dieselbe Tätigkeit mehrmals wiederholen, um Schnittwechsel zu ermöglichen, die etwa abwechselnd den Fahrer, das Motorrad und die Perspektive des Fahrers zeigen.

(c) Blickvang

TIPP

www.blickvang.at

Seit einigen Jahren gibt es im neunten Bezirk in Wien ein Spezialgeschäft für Helmkameras.



Der entscheidende Vorteil. Die Videoqualität erweist sich bei allen vier getesteten Oberklassekameras als gut. Mag sein, dass die Drift Innovation HD170 manchmal nicht ganz so schnell auf wechselnde Lichtverhältnisse reagiert oder das Bild der ContourGPS gelegentlich etwas blass wirkt. Das sind aber Kleinigkeiten, die ohne direkten Vergleich kaum auffallen. Alle vier nehmen Videos auf Wunsch in Full-HD-Auflösung auf und bieten sogar einen Modus mit 60 Bildern pro Sekunde für einen Zeitlupeneffekt. Bei der Bedienbarkeit und den Montagemöglichkeiten trennt sich allerdings die Spreu vom Weizen. So sieht eine ContourGPS zwar sehr schick aus, der kleine Gummi-Einschaltknopf lässt sich allerdings nur schwer drücken. Zwei entscheidende Vorteile haben ATC 9000 und HD170: nämlich gut erreichbare Knöpfe, die selbst mit einem Handschuh noch recht ordentlich zu bedienen sind, und – noch viel wichtiger! – ein Display. Letzteres hilft sowohl bei der Menüführung als auch beim Überprüfen, ob die Kamera gut ausgerichtet ist. Es kann nämlich leicht passieren, dass man mit einer Helmkamera nur Straße oder Himmel filmt und das erst merkt, wenn der Film auf den PC übertragen ist. Die ContourGPS versucht das mit einem Laser zu verhindern, der zeigt, wo die Linse hingerichtet ist. Auf unebenem Untergrund allerdings ist der Laserpunkt manchmal nur schwer zu erkennen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.05.2011)