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Hu Jia: Sanft, aber bestimmt

Sanft aber bestimmt
(c) EPA (BILL SMITH)
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Der Bürgerrechtler Hu Jia ist wieder frei.

 

Hu Jia wirkt auf den ersten Blick zurückhaltend, beinahe unscheinbar. Doch hinter der äußeren Erscheinung verbirgt sich einer der mutigsten und bekanntesten Bürgerrechtler Chinas, der die Regierung in zahlreichen Interviews und Veröffentlichungen im Internet stets beharrlich kritisiert hat.

Im Jahr 2007 wurde er wegen „Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt“ zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt – nur kurz nach einem Telefonat mit Vertretern des Europaparlaments, mit denen er über die Menschenrechtslage in seiner Heimat gesprochen hatte. Das Europaparlament verlieh ihm in symbolischem Protest den renommierten Sacharow-Preis für geistige Freiheit. Lange galt Hu auch als Kandidat für den Friedensnobelpreis, der 2010 allerdings an seinen inhaftierten Landsmann Liu Xiaobo ging.

Schon in seinen Studentenjahren – der heute 37-Jährige schloss das Informatikstudium an der Hauptstadt-Universität für Wirtschaft und Handel im Jahr 1996 ab – prangerte Hu die Umweltsünden in China an, später interessierte er sich zunehmend für Menschenrechte. Und auch in der Gesundheitsvorsorge war der überzeugte Buddhist stets engagiert: Er gründete eine Organisation für medizinische Vorsorge und die Unterstützung von Aidskranken.

Öfter schon versuchte Chinas Regime den Bürgerrechtler einzuschüchtern: Mehrmals war er in Polizeigewahrsam oder stand gemeinsam mit seiner Frau Zeng Jinyan – sie führt einen Blog im Internet – unter Hausarrest in der gemeinsamen Pekinger Wohnung.

Ob Hu nach seiner Freilassung wieder politisch tätig wird, ist unklar. Die Familie müsse nun erst einmal zusammenfinden, schrieb Zeng in ihrem Blog. Das Paar hat eine dreijährige Tochter. Zudem ist Hus Gesundheit schwer angeschlagen: Angaben seiner Frau zufolge leidet er an Leberzirrhose, die im Gefängnis unzureichend behandelt wurde. Red.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2011)