Microsoft könnte Skype-Gespräche unbemerkt abhören

A Microsoft and Skype sign are displayed at a news conference in San Francisco Tuesday, May 10, 2011,
(c) AP (Paul Sakuma)

Noch vor der Milliardenübernahme hat Microsoft eine Technik entwickelt, um Anrufe über den Onlinedienst zu überwachen und mitzuschneiden. Kritiker fürchten, dass Skype damit "diktatorenfreundlich" werden könnte.

Microsoft wurde ein Patent zuerkannt, das einen Lauschangriff auf Internet-Telefoniedienste wie Skype ermöglicht. Genannt "Legal Intercept", ermöglicht es die Technologie, Gespräche verdeckt abzufangen, zu überwachen und aufzuzeichnen. Entwickelt wurde das ganze schon 2009, also lange bevor Microsoft sich Skype um die stolze Summe von 8,5 Milliarden US-Dollar einverleibt hatte. Datenschützer befürchten, dass Skype durch "Legal Intercept" gefährlicher gemacht wird, insbesondere für Menschen in Ländern, wo die Machthaber es mit den Menschenrechten nicht so genau nehmen.

Wird Skype "diktatorenfreundlich"?

Michael Froomkin, Rechtsprofessor an der University of Miami, sorgt sich im Gespräch mit Computerworld über die von der US-Patentbehörde bewilligte Technologie. Sie höre sich so an, als ob Microsoft plant, Skype für die Abhörung durch Ermittlungsbehörden zu öffnen. Das hätte aber schwerwiegende folgen: "Eine Kommunikationstechnologie FBI-freundlich zu machen, heißt auch, sie diktatorenfreundlich zu machen", warnt Froomkin. Für Bewegungen wie den Arabischen Frühling wäre das katastrophal. Außerdem würden derartige Hintertüren auch Missbrauch und Hacker-Angriffen neue Möglichkeiten bieten.

Microsoft wollte sich zu der Technologie bisher nicht äußern. Unklar ist allerdings bis jetzt, ob Skype nicht ohnehin schon einen Abhörmechanismus für Ermittler bietet. Bisher hat das Unternehmen nicht komplett offengelegt, wie das seinem Dienst zugrunde liegende Protokoll funktioniert oder wie es verschlüsselt wird.