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Folgeschäden bei Patienten

Auswirkungen des Datenklaus bei der Gebietskrankenkasse gehen weit über Tirol hinaus.

 

Für Österreichs Sozialversicherung und für Gesundheitsminister Stöger ist es eine Art Super-GAU. Hacker haben Zugriff auf Daten von 600.000 Versicherten bei der Tiroler Gebietskrankenkasse. Dabei ist gänzlich unerheblich, dass darunter auch Prominente wie Tobias Moretti sind. Der Kollateralschaden dieses Mega-Datenlecks geht weit über Tirol hinaus.

Für die meisten Patienten und Versicherten in ganz Österreich ist es auch zweitrangig, ob die Hacker nun die Firewall der Tiroler Kasse geknackt haben oder ob sie einfach via Google an die Datensätze gekommen sind. Allein das Faktum, dass es offenkundig derart große Schwachstellen in dem elektronischen System gibt, ist für sie erschreckend genug. Überraschen darf das niemanden: Datenschutzbedenken werden rituell bei jeder Neuerung vorgebracht. Und dennoch stehen Konsequenzen und Strafen bei Verstößen dazu in keiner Relation. Die Aussicht, dass nicht nur die Daten Prominenter an die Öffentlichkeit kommen, sondern damit auch Angaben, wie es um die Gesundheit von Frau Müller und Herrn Maier bestellt ist, über kurz oder lang bei Unternehmen landen könnten, ist beunruhigend.

Für die elektronische Gesundheitsakte, deren geplante Umsetzung ohnehin mit großem Misstrauen verfolgt wurde, ist es eine Art Todesstoß. Für den Gesundheitsminister hätte ein Einbruch im privaten Nachtkästchen nicht schlimmer sein können.

 

karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2011)