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Mein Minister tut es ja auch

Zu viele heimische Politiker sind üble Vorbilder für ihre bislang sauberen Beamten.

Österreich rutscht also im Ranking der Korruptionswahrnehmung weiter ab. Wem es an gutem Willen nicht mangelt, der kann das auch positiv deuten: Mag sein, dass hierzulande gar nicht mehr geschmiert wird als früher. Dass nur vergangene Politskandale endlich ans Tageslicht kommen. Und sich die befragten Manager dann denken: ganz schön korrupt hier, hätten wir gar nicht gedacht.

Mag sein. Aber auch Beamte lesen Zeitung. Sie erfahren schon zum Frühstück, wie sich ihre Chefs, die Politiker, auf Kosten der Allgemeinheit bereichert haben. So manche dürften angesichts solcher Vorbilder ihre bislang weißen Westen an den Nagel hängen.

Außerdem: Wenn es früher nicht besser war, gehört Österreich eben schon längst ins schlechteste Drittel der demokratisch hoch entwickelten Industriestaaten – und nur mit ihnen darf es verglichen werden. Denn eine frohe Botschaft steckt jedenfalls in diesem Ranking: Im Kampf gegen die Korruption sind Demokratien den Diktaturen haushoch überlegen. Da kann China seine korrupten Beamten noch so drakonisch bestrafen – ohne Rechtsstaatlichkeit, Transparenz und eine Zivilgesellschaft ohne Angst wird kein Land dieses Krebsgeschwür los. Freilich: Die Griechen und Italiener haben diesen Demokratie-Bonus klar verspielt. Und wir? Wir setzen ihn zumindest aufs Spiel.


karl.gaulhofer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.12.2011)