Wiener ÖVP: Juraczka verspricht "Neustart"

Manfred Juraczka
Manfred Juraczka(c) APA/HERBERT P. OCZERET (Herbert P. Oczeret)

Manfred Juraczka ist am Samstag mit 92,9 Prozent der Stimmen zum neuen Chef der Landespartei gewählt worden. Bundesparteichef Spindelegger lobt ihn als "Persönlichkeit, die wahnsinnig viel leisten möchte".

Der nicht amtsführende Stadtrat Manfred Juraczka ist neuer Obmann der ÖVP Wien. Der 43-Jährige wurde am Samstag beim Landesparteitag der Volkspartei in der Messe Wien mit großer Mehrheit gewählt: Er erhielt 92,9 Prozent bzw. 617 der 668 abgegebenen Delegiertenstimmen. Zum Vergleich: Vorgängerîn Christine Marek erhielt bei ihrer Kür vor zwei Jahren 96 Prozent der Stimmen.

Juraczka versprach seinen Mitstreitern in seiner Rede einen "Neustart". Dieser sei "notwendig, machen wir uns nichts vor". Die Volkspartei müsse wieder zur bestimmenden bürgerlichen Kraft in Wien werden. "Das Wahlergebnis, interne Diskussionen, bescheidene Meinungsumfragen. Das hat uns allen deutlich gemacht, so darf es nicht weitergehen, und ich bin überzeugt, so wird es nicht weitergehen", sagte der 43-Jährige.

"Ich werde alles in meiner Macht stehende unternehmen, um die vielzitierte Basis noch viel stärker als bisher in die politische Arbeit einzubinden", versprach der künftige Obmann. Wichtig seien dazu auch die "oft gescholtenen Bünde". Er, Juraczka, verstehe es durchaus als Kompliment, wenn jemand sage: "Der kommt ja direkt aus der Partei." Darauf sei er stolz: "Woher soll ich denn sonst kommen, aus der Wundertüte?"

"Liebe Freunde, heben wir das große Potenzial der Wiener ÖVP", forderte Juraczka die rund 600 Delegierten auf. Im Mittelpunkt der Politik dürfe jedoch nicht die Partei, sondern die "großartige Heimatstadt" Wien stehen, mahnte er: "Wir haben für die Wienerinnen und Wiener, für deren Sehnsüchte und Sorgen da zu sein." Dazu sei es notwendig, tagtäglich mit den Menschen zu sprechen und die eigenen Überzeugungen zu verbreiten: "Wir haben es zu wenig geschafft, zu vermitteln, wofür wir brennen."

Die Kritik an den politischen Mitbewerbern fiel erwartungsgemäß noch schärfer aus als jene an der eigenen Partei. "Die Wiener SPÖ ist träge, verkrustet, unbeweglich, erneuerungsresistent, aber dafür in einem hohen Maß selbstgefällig", urteilte er über die stärkste Kraft im Wiener Rathaus. Die Grünen sind für Juraczka inzwischen nicht nur die "wahren Spießbürger", sondern würden sich gesellschafts- und wirtschaftspolitisch "ganz weit links außen" positionieren würden. Die zweite Wiener Oppositionspartei, die FPÖ, beschränke sich oft auf Angstmache.

"Juraczka will wahnsinnig viel leisten"

Zuvor hatte Bundesparteiobmann Michael Spindelegger das Wort ergriffen. "Ich kenne den Manfred Juraczka als eine Persönlichkeit, die wahnsinnig viel leisten möchte", lobte er den designierten Obmann. Dieser, so zeigte sich der VP-Chef überzeugt, werde wieder Optimismus versprühen.

"Neustart heißt immer, es gibt Hoffnung, es gibt neue Ansätze, eine Strategie, eine neue Perspektive für die Zukunft. Die brauchen wir in Wien und die brauchen wir auch in Österreich", nahm der Bundesparteiobmann auf das Motto der Veranstaltung "Willkommen zum Neustart" Bezug. Dabei verwies er auch auf das Sparpaket - welches eine Perspektive für die gesamte Republik gewährleisten solle. Jeder, der einmal mit der SPÖ verhandelt habe und sie zum Sparen bewegen wollte, der werde ihm recht geben: "Das ist ein Ding der Unmöglichkeit. Aber wir haben es dennoch geschafft."

Gewählt wurde am Samstag auch die Riege der nun insgesamt sechs Obmann-Stellvertreter. Es gibt vier Neuzugänget: Gemeinderätin Isabella Leeb erhielt 95,3 Prozent, die Bezirksvorsteherin der Josefstadt, Veronika Mickel, 93,7 Prozent, der Nationalratsabgeordnete Wolfgang Gerstl 92,2 Prozent und Wirtschaftsbund-Direktor Alexander Biach 96,5 Prozent der Stimmen. Integrationsstaatssekretär

Sebastian Kurz und Gemeinderätin Ingrid Korosec erzielten das beste bzw. schlechteste Abstimmungsergebnis: Sie wurden mit 97,9 bzw. 85,5 Prozent bestätigt. Die beiden hatten die Funktion schon bisher inne.

Wellness für Marek

Die ehemalige Parteichefin Marek erhielt beim Parteitag als Abschiedsgeschenk einen Gutschein für ein Wochenende in einem Wellness-Hotel. "Damit Du ein bisschen Ausspannen kannst", meinte Interims-Parteichefin Gabriele Tamandl bei der Übergabe. Marek bedankte sich und wandte sich mit einer Bitte an die Delegierten: "Unterstützt den Manfred Juraczka. Die ÖVP wird es nur schaffen, wenn sie zusammensteht". Sie hatte bei ihrem Abgang im vergangenen September beklagt, dass die notwendige Geschlossenheit der Partei gefehlt habe.