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Škoda Citigo: Der Kleine kommt groß raus

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Bei Škoda hat man die Hausaufgaben gründlich gemacht. Der Citigo ist das preiswerteste und wohl ehrlichste Angebot in der Kleinstwagenpalette des VW-Konzerns.

Der VW Konzern hat es mit seiner Mehrmarkenstrategie nicht immer leicht, seine Produkte zu platzieren. Vor allem dann, wenn es darum geht, ein günstiges Fahrzeug auf die Räder zu stellen. Wie etwa den VW Up, der den etwas glücklosen Lupo und sein Seat-Gegenstück Arosa beerben soll.

Diesmal ist auch Škoda mit von der Partie. Neben dem Seat Mii soll der Kleine hier als Citigo punkten. Strategisch ist der Tscheche das preiswerteste Fahrzeug dieser Palette. Er will nicht chic wie der VW und nicht hip wie der Seat sein. Damit ist er wohl auch das ehrlichste Angebot. Kein kantiges Grinsen vorn, keine gläserne Heckklappe, sondern eine schlichte moderne Erscheinung prägt den ersten Eindruck. Auch innen geht es eher einfach zu, alles drückt aus: „Ich bin ein günstiger Kleinwagen, mehr will ich auch nicht sein.“ Den Klavierlack des Up sucht man hier vergeblich. Es gibt viel Hartplastik, das ist in dieser Klasse aber durchaus üblich. Die Bedienelemente sind auf das Wesentliche beschränkt, auch beim transportablen Navisystem.

Dafür gibt es exklusiv nur für Škoda einige nützliche Details. Etwa einen Haken am Handschuhfach, der bestens für die Handtasche geeignet ist, oder Netze seitlich an den Sitzlehnen für die Kleinigkeiten des Alltags, genauso wie ein Netz im Kofferraum. Ein eigener Multimediahalter nimmt in der Mittelkonsole das Handy auf. Es ist schon erstaunlich, wie viele Ablagen man auf so kleinem Raum unterbringen kann. Immerhin 251 Liter beträgt das Kofferraumvolumen, das sich durch Umlegen der Rückbank auf stattliche 951 Liter erweitern lässt. Damit ist auch einmal der Transport von einem Kleinmöbel gesichert.

Erstaunlich ist auch das Platzangebot, vor allem vorn: Zwei ausgewachsene Männer haben sogar in dicken Jacken keine Probleme mit den Schultern, auch Fuß- und Kopffreiheit sind über der Klassennorm. Selbst im Fond geht es nicht so beengt zu, wie die Außenmaße vermuten lassen. Nur das Zusteigen ist zumindest beim Dreitürer nicht gerade leicht, eine gewisse Gelenkigkeit ist hier sicherlich von Vorteil. Ein Verstauen etwa eines Kleinkindes in einem Kindersitz wird vermutlich zu einer Turnübung ausarten. Besser gelingt das mit dem Fünftürer, er wird sicher den Löwenanteil am Verkauf davontragen.

Im Fahrbetrieb gibt es keine Unterschiede zu den beiden Brüdern. Das Fahrwerk ist zwar sportlich, aber nicht unangenehm hart. Der Dreizylinder ist bei Standgas kaum spürbar, nur auf der Autobahn wird das 60 PS starke Triebwerk im oberen Drehzahlbereich etwas brummig. Besser kann es der 75-PS-Motor, er wirkt wesentlich lebendiger. Wer allerdings hauptsächlich in der Stadt unterwegs ist, der wird auch mit dem „kleinen“ Triebwerk das Auslangen finden. Als Verbrauch gibt Škoda 4,2 bzw. 4,5 Liter an. Selbst nicht für Geld und gute Worte wird es den 100-PS-Motor geben, er ist derzeit dem VW Up vorbehalten.

Ausgeliefert wird der neue Škoda ab Juni dieses Jahres, sowohl als Drei- als auch als Fünftürer. Eine Version mit automatisiertem Schaltgetriebe wird ebenso verfügbar sein, außerdem ein sogenannter Green Tec mit Start-Stopp-System und Rekuperation. Preise sowie Ausstattungsvarianten wurden allerdings noch nicht genannt. Sicher ist nur, dass der Citigo preislich sowohl unter dem Up als auch unter dem Mii liegen wird. Das bedeutet, dass man bereits unter 9000 Euro (mit Klimaanlage, ESP und Servolenkung) die Ehrlichkeit des kleinen Tschechen schätzen lernen kann.

Auf einen Blick

Škoda Citigo

L/B/H: 3563/1645/1478 mm, Radstand: 2420 mm, Gewicht: 929kg, Zuladung: 436 kg.

Motor: Dreizylinder, 999 ccm, 44kW (60 PS) bei 6000U/min bzw. 55 kW (75 PS) bei 6200 U/min. 0–100 km/h: 14,4/13,2 sec., Vmax: 160/171 km/h, Verbrauch: 4,2/4,5 l, 96 bis 108 g CO2 je km.5-Gang-Schaltgetriebe.

Preise: noch nicht bekannt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.03.2012)