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Reise in Kürze: Im kalten Herzen der Alpen.

Viele Mythen ranken sich um das Salzkammergut. Es gibt deshalb auch keinen Mangel an Literatur darüber. Der Journalistin Julia Kospach sollte man trotzdem folgen, wenn sie ihr Publikum Auf ins Salzkammergut einlädt

Viele Mythen ranken sich um das Salzkammergut. Es gibt deshalb auch keinen Mangel an Literatur darüber. Der Journalistin Julia Kospach sollte man trotzdem folgen, wenn sie ihr Publikum Auf ins Salzkammergut einlädt. Denn was sie in diesem Band an „Verborgenem, Skurrilem und Kulinarischem“ über diese Gegend zusammengetragen hat, lässt selbst eingefleischte Skeptiker der Bewohnbarkeit inneralpiner Regionen umdenken. Sicher, man muss eine gewisse Faszination an archaischen Ritualen wie etwa den „GamsJagaTagen“ in Bad Goisern mitbringen, aber wer sich darauf einlässt, wird zuletzt noch korrespondierendes Mitglied der „Gesellschaft zum Schutz der gedemütigten Lederhose“. Obligat ist allerdings die Teilnahme an der „Brunftschrei-Olympiade“ sowie an der „Vogelzwitscher-EM“ (144S., brosch., 15,95 €; Folio Verlag, Wien).

Quer durch die Pyrenäen.

Ein ganz anderes Ritual wird ein paar hundert Kilometer südwestlich davon gepflegt. Saint-Jean-de-Port im französischen Baskenland ist der Ausgangspunkt für den bekanntesten Teil des Jakobswegs, den Camino Francés. Für die meisten der jährlich etwa 300.000 Pilger beginnt hier in den Pyrenäen der 800 Kilometer lange, beschwerliche Marsch nach Santiago. Kräfteraubend war auch für Walter Benjamin die Passage über den Gebirgszug, den er auf der Flucht vor den Nazis im September 1940 gezwungen war zu überwinden. Zwar kam er im katalonischen Portbou erschöpft, aber lebend an, doch als ihm die Behörden mitteilten, dass er wieder zurückmüsse, zog er den Tod einem KZ vor. Dass es über die Pyrenäen einiges zu erzählen gibt, beweist die Publizistin Susanne Schaber in ihrem Lesereisen-Band. „Im schwarzen Salon tobt der Bär“ heißt die Untertitel gebende Geschichte. Es lohnt sich nachzulesen, was es damit auf sich hat (132S., geb., 14,90 €; Picus Verlag, Wien).

Die Donau von Anfang bis ende.

Gehen hat etwas Meditatives. Ob das nach 4,5 Millionen Schritten auch noch so ist, testete das oberösterreichische Paar Beatrix & Florian Weichselbaum auf ihrer etwas anderen Pilgerwanderung. Sie legten 2011 die 2888 Kilometer von der Donaumündung bis zum -delta zu Fuß zurück. „1 Bluse, 2 T-Shirts, 1 Unterleibchen, 3 Unterhosen, 3 Paar Socken, 1 Pullover, 1 kurze Hose, 1 lange Hose zum Abzippen, 1 Kleid, Regencape, Kappe“ – so viel Gewand packte Beatrix in der Heimatstadt Linz, wo die beiden einen Rasttag einlegten, wieder ein, alles andere, womit sie sich seit dem Schwarzwald beschwert hatte, blieb danach zu Hause. 122 Tage waren sie am Ende unterwegs. Die Rückfahrt musste dann schneller gehen als gedacht: Bei der Schiffsfahrt zur Abschlussparty passierte, was als Befürchtung stets mitging: Beatrix verletzte sich (320S., brosch., 22,95 €; Kehrwasser Verlag, Linz).

Mitten auf dem Balkan.

So gar nicht zum Gehen lädt Sofia ein, mehr zum Sitzen, ob im Auto, in einer Plattenbauwohnung oder in einem Lokal. Letzteres machte der junge Arzt und Autor Kalin Terziiski, als er zu einem Text über die bulgarische Hauptstadt eingeladen wurde. In der Mitte des Sofioter Frauenmarkts setzte er sich in ein Beisl, „wo man Ekelhaftes zu essen, Lebensgefährliches zu trinken und von den Stammgästen eins auf die Fresse bekommen kann“ – und beobachtete das Stadtleben. Es ist einer der 83 Texte, die Jutta Sommerbauer in die von ihr herausgegebene Anthologie über Sofia hineingenommen hat. Dieser und andere Beiträge, wie etwa jener von Dimitré Dinev, zeigen das ambivalente Verhältnis der Sofioter zu ihrer Stadt (260S., geb., 12,95€; Wieser Verlag, Klagenfurt). hak

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.03.2012)