Herbert Prohaska: "Manche warten nur auf Fallfehler"

Während der Euro 2012 ist ORF-Analyst Herbert Prohaska wieder im Dauereinsatz.

Sie sind seit vielen Jahren die Fußballstimme beim ORF, sind Analyst, Chefkommentator. Wie bereiten Sie sich auf ein Länderspiel bzw. auf die Euro 2012 vor?

Herbert Prohaska: Die Vorbereitungen sind sehr umfangreich. Ich lese viel, Fachzeitschriften aus dem deutschen und italienischen Sprachraum. Und natürlich alle relevanten Tageszeitungen in Österreich. Ich versuche, jeden Tag Infos aufzusaugen. Dann gibt es beim ORF eine Besprechung, auf welche Spieler wir näher eingehen, wird über Hintergrund-Storys geplaudert. Ich versuche, die verschiedenen Mannschaften wirklich zu kennen.

 

Gab es vor der Euro 2012 auch Rhetorik-Kurse?

Nein, die hat es nicht gegeben. In den nächsten Tagen gibt es allerdings eine Einschulung, weil wir ein neues Zeichengerät – zur Darstellung von Taktiken oder Spielzügen – verwenden werden.

 

Wie viele Euro-Spiele werden Sie analysieren?

Ich glaube, es sind insgesamt 13. Da ist auch das Finale in Kiew dabei. Für die anderen Spiele sind Roman Mählich und Frankie Schinkels zuständig. Ich freue mich schon sehr auf dieses Turnier.

 

Was verstehen Sie unter der Fußballersprache?

Natürlich gibt es die Fußballersprache. Und es gibt auch genug TV-Konsumenten, die mich kritisieren. Ein Seher hat mir einmal einen Brief geschrieben, wie ich denn behaupten könne, dass ein Spieler nur einen Fuß hat. Jetzt spielen Einbeinige auch schon Fußball. Gemeint war natürlich, dass dieser Spieler jede entscheidende Aktion mit dem gleichen Bein ausführt. Und das andere Bein nur dazu hat, dass er zur Bank gehen kann... Aber ich kann mit dieser Kritik gut leben. Mir macht das nichts aus.

 

Auf grammatikalische Fehler werden Sie nie angesprochen?

Ich spreche normalerweise im Dialekt. Und dadurch passiert es eben manchmal, dass live auf Sendung der eine oder andere Fallfehler passiert. Wobei es Leute gibt, die sicher nur darauf warten. Aber ich will mich auch nicht großartig verstellen. Ich will authentisch wirken.

 

Wo Prohaska draufsteht, ist also ein echter Schneckerl drin. Wie ist es zur mittlerweile legendären Verabschiedung („Gute Nacht“) gekommen?

Früher waren die Schneckerln mein Markenzeichen. Die gibt es in meinem Alter nicht mehr. Ich habe mich nach einer Sendung immer von meinem Publikum verabschiedet. Und auf einmal hat es geheißen: Der Prohaska kann doch net so tun, als ob es nach der Champions League kein weiteres Programm geben würde. Jetzt wird die anschließende Sendung anmoderiert – ich grinse ein ,Gute Nacht‘. Und mittlerweile begrüßen mich Leute auf der Straße schon so.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.06.2012)

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